Lernen in Ratingen : Verein sucht Lese- und Lernpaten

Die Allianz für Bildung und Lernen will Kinder bei ihrer Schulkarriere unterstützen und in der Entwicklung stärken. Nach einem Jahr Online- und Wechselunterricht ist der Bedarf deutlich gestiegen.

Erst vor wenigen Wochen übernahm die Allianz Bildung und Lernen (ABL) den Verein Mentoring-Ratingen aus den Händen von Ina Bisani. „Weil es zu unserem Gesamtkonzept passt, haben wir nicht lange überlegt“, so Maymol Devasia-Demming, Geschäftsführerin des Vereins. Schon jetzt ist klar: Es wird Verstärkung gebraucht. Und zwar reichlich.

Seit 2015 engagiert sich der Verein dafür, Kinder in ihrer schulischen und persönlichen Entwicklung zur fördern. Das Konzept: Ehrenamtliche Paten kümmern sich in verschiedenen Phasen in einem 1:1-Modell um Schüler mit Förderbedarf. Dabei geht es nicht nur um Schulnoten, sondern auch um Selbstvertrauen und echte Freundschaft, denn viele Patenschaften halten über Jahre.

Bedarf gab es auch in den vergangenen Jahren, Corona hat die Situation aber deutlich verschärft. „Die lange Schließung der Schulen schafft Lücken, die kaum noch aufgeholt werden können“, so die Erfahrung von Maymol Devasia-Demming. „Besonders Schulanfänger erleben Schule gerade auf eine Weise, die nicht förderlich ist“, fügt Jan Sahm, Vorsitzender des Vereins hinzu. Christiane Fentross, die das Lesementoring koordiniert sagt: „Gerade in den ersten zwei Schuljahren werden Freundschaften aufgebaut, eine Gemeinschat entsteht, ebenso das Vertrauen zu den Lehrern. Das alles fehlt jetzt.“ Maymol Devasia-Demming stellt fest: „Durch das Homeschooling bleiben Kinder in ihrer Entwicklung stehen oder bewegen sich gar zurück. Ein wichtiges, prägendes Jahr fehlt einfach.“ Im Online- und Wechselunterricht gehen viele Schüler verloren.

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Also will die Allianz den Kindern und Teenagern den Rücken stärken. Sie rechnet mit einem Bedarf von 150 Lesementoren. Zehn für jede Ratinger Grundschule – das sei keineswegs utopisch. Christiane Fentross sammelt gerade Bewerbungen, fragt den genauen Bedarf in Schulen ab und knüpft Kontakte zu Paten. Sie sollen mit Workshops (online) und Schulungsmaterialien fit für ihren Einsatz gemacht werden. Jeder Mentor betreut einen Schüler. „Lesen ist der Schlüssel zu Bildung und Schulerfolg“, ist Fentross überzeugt. In entspannter Atmosphäre mit dem Mentor zu lesen soll dazu beitragen, Schule wieder als etwas Positives zu erleben und das Selbstbewusstsein stärken.

Ein ähnliches Konzept verfolgen die Bildungspaten. Auch hier kümmert sich ein Pate um einen Schüler. Hier geht es aber vielmehr darum, versäumten Schulstoff ab Klasse fünf aufzuarbeiten. Die stetige Wiederholung von elementarem Schulstoff soll Wissen festigen und Sicherheit schaffen. Aber nicht nur: „Durch das langfristig angelegte Projekt, entwickelt sich ein Vertrauensverhältnis zwischen Paten und Schüler“, erklärt Jan Sahm. „So kann über die fachlichen Themen hinaus auch die persönliche Entwicklung gefördert werden.“

Die Vermittlung eines Lese- oder Bildungspaten erfolgt stets in enger Abstimmung mit Schule und Eltern. Am Ende profitieren beide Seiten. „Viele Paten beteuern, dass ihnen die ehrenamtliche Aufgabe viel zurückgibt“, so Fentross. „Sie schenken Zeit und erhalten Wertschätzung zurück“, sagt Sahm. Wer also ein bisschen Zeit opfern kann – Hilfe wird dringend gebraucht.