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Heiligenhaus: Der Auftrag: helfen

Heiligenhaus : Der Auftrag: helfen

Gabriele Zscherpe ist die erste Behindertenbeauftragte der Stadt. Nächste Woche nimmt sie ihre Arbeit auf. Gemeinsam mit der Seniorenbeauftragten Christel Donalies wird sie Sprechstunden im Bürgerbüro anbieten.

"Als ich das Anforderungsprofil gelesen habe, bekam ich erst mal einen Schreck", sagt Gabriele Tscherpe. Gemeint ist das Papier, das die Aufgaben der ersten Heiligenhauser Behindertenbeauftragten auflistet. Allerdings sagt die resolute 62-Jährige das mit leichtem Augenzwinkern.

Denn das neue Ehrenamt, in das sie der Rat direkt vor der Sommerpause gewählt hat, ist ihr weder ganz neu noch ganz fremd. Zscherpe steht seit neun Jahren an der Spitze des Sozialverbands VdK in der Stadt. Dass der Verband in Heiligenhaus während dieser Zeitspanne seine Mitgliederzahl fast verdoppeln konnte, erwähnt die gebürtige Magdeburgerin nur nebenbei.

Große Nachfrage erwartet

Nun also Beratung für behinderte Mitbürger. "Dass wir Gabriele Zscherpe hier vorstellen, ist kein alltäglicher Anlass", betonte der erste Beigeordnete Michael Beck gestern bei der Vorstellung der neuen Beauftragten. Das machen schon wenige Zahlen deutlich: "2700 Mitbürger in der Stadt haben einen anerkannten Grad von 50 Prozent oder mehr Schwerbehinderung.

Mit einem Grad von 20 Prozent und mehr sind es zusammengenommen 4200 Heiligenhauser, die rein statistisch zur Klientel der neuen Beauftragten gehören", erläuterte Jörg Saborni, stellvertretender Fachbereichsleiter für Jugend und Soziales bei der Verwaltung. Rein formal wird Zscherpe dem Sozialausschuss und dem ÖPNV-Komitee angehören.

Doch es ist nicht die Mitarbeit in den Gremien, die sie im Blick hat, wenn sie ihre Aufgaben umschreibt: "Meine Funktion ist es, Fragestellern Wege zu zeigen." Oder auch, Hilfesuchenden beizustehen auf deren Wegen durch den Paragrafen- und Formalitätendschungel. Die Aufgabe wird auch nicht leichter dadurch, dass viele im Bereich Behinderten-Unterstützung tätig sind. Neben der Stadt ist es zunächst der Kreis Mettmann, aber auch der Landschaftsverband Rheinland. Soviel weiß die Beauftragte jetzt schon. "Das ist nicht immer leicht zu durchschauen."

Das Beratungssystem soll relativ einfach funktionieren: Alle zwei Wochen ist mittwochs eine gemeinsame Sprechstunde mit der Seniorenbeauftragten Christel Donalies vorgesehen. Was nicht sofort am Tisch erledigt werden kann, wird dem Hilfesuchenden später telefonisch nachgereicht. Einkalkuliert hat die neue Beauftragte, dass die Sprechstundenzeit allein kaum ausreichen dürfte. Insofern dürfte ihr jetziger beruflicher Status — Vorruhestand — nur die Papierform beschreiben.

(RP)