Ratingen: Der Architekt der Klänge

Ratingen: Der Architekt der Klänge

Der Komponist Raimund Juelich, Erfinder der Reihe "Neue Musik in Ratingen", wird am 17. Dezember 60. Eine Party gibt es nicht, wohl aber ein Konzert am 12. Dezember mit vier Solo-Werkstücken des Meisters, dessen Musik modern, aber keinesfalls widerborstig ist.

"Seit 20 Jahren lebt Raimund Juelich im hellen Dachgeschoß eines alten Hauses in der Poststraße. Nicht viele Ratinger kennen den stillen, hochaufgeschossenen Mann, das schmale von lockigem Haar und Bart eingerahmte Gesicht. Noch weniger Menschen wissen, daß sie mit dem bald 45-Jährigen einen der namhaften Komponisten Deutschlands in der Stadt haben". So begann eine Reportage, die vor 15 Jahren in der Rheinischen Post in Ratingen erschien. Man muss nur die beiden Zahlen um 15 erhöhen, sonst stimmt noch alles. Gut, die Haare sind grau geworden, das Haus ist frisch gestrichen, und die Rechtschreibung hat sich geändert – der Künstler aber ist sich und seinen Anhängern treu geblieben.

Wer rechnet, stellt fest, dass Raimund Juelich in wenigen Tagen 60. Geburtstag hat, und zwar wie Beethoven am 17. Dezember. Gibt es ein Fest, eine Ehrung? Nein. Er macht kein Aufhebens von seiner Person, ist mit seinem Leben zufrieden und freut sich wie wohl jeder Komponist, wenn seine Werke gespielt werden. Immerhin geschieht das zum besonderen Anlass auch in seiner jetzigen Heimatstadt, denn das Konzert der 1989 von ihm gegründeten Reihe "Neue Musik in Ratingen" am kommenden Samstag, 12. Dezember, bringt ausschließlich seine Einfälle zu Gehör. Es sind vier seiner fünf Solo-Werkstücke, komponiert zwischen 1976 und 1996, für Schlagzeug (Christian Roderburg), Piano (Odilo B.M. Klasen) und Alt-Saxophon (Wardy Hamburg), wobei das letzte Werkstück ursprünglich für Flöte geschrieben war, so dass die Saxophon-Fassung eine Erstaufführung ist. Mit dem "Werkstück 4" wird Wardy Hamburg vermutlich wieder den Publikumsrenner spielen, denn dieses Opus lebt von dem deutlich erkennbaren roten Faden. Raimund Juelichs Musik ist modern und entsteht vielfach am Computer, ist deshalb aber für die Ohren keineswegs widerborstig. Er bezeichnet sich selbst als Klangarchitekt. Die Beachtung, die seine Werke international finden, lässt sich durch Zahlen belegen. Jährlich gibt es 20 bis 30 Aufführungen. Die entferntesten Länder, die ihm spontan einfallen, sind Japan und Venezuela, sonst stehen vor allem Italien, das Land, das er besonders liebt, Frankreich, die Schweiz, aber auch Polen und Ungarn auf der Liste. Erst Ende November konnte er die Uraufführung seines Ensemblestücks "Machwerk" für zwölf Instrumente im Robert-Schumann-Saal in Düsseldorf erleben.

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Er ist immer wieder Ehrengast auf Festivals, wird bei internationalen Wettbewerben ausgezeichnet und als "Composer in Residence" im In- und Ausland eingeladen. Für sein abendfüllendes Bühnenstück "Aus der Traum", fand er allerdings keinen Sponsor. Die Thematik um die Weltreligionen sei vielleicht zu unbequem, meint Juelich. Ein Vielschreiber ist er ohnehin nicht. 60, 70 Kompositionen gibt es – er hat die Zahl nicht parat. Aktuell nimmt die Idee eines weiteren großen Orchesterwerkes, eventuell für Paris, Gestalt an. Daneben ist er aber auch ein leidenschaftlicher Pädagoge. Privatschülern und in Volkshochschulen gibt er Unterricht in sämtlichen musiktheoretischen Fächern. Seltsam: Obwohl er sozusagen neben der Musikschule wohnt, sind seine Kontaktversuche dorthin bisher ohne Echo geblieben.

(RP)
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