Ratingen: Der alte Poensgenpark ist völlig verwüstet

Ratingen: Der alte Poensgenpark ist völlig verwüstet

Viele der über 100 Jahre alten Bäume wurden durch den Sturm massiv beschädigt. Der Park bleibt vorläufig gesperrt.

Etwas fassungslos sieht Manfred Fiene schon aus, auch wenn ihn seine Mitarbeiter bereits am Dienstag vorgewarnt haben. Doch als der Leiter des Amts für Kommunale Dienste gestern zum ersten Mal den Poensgenpark selbst in Augenschein nimmt, bleibt die Wirkung nicht aus. Der Park ist völlig verwüstet. "Den Poensgenpark wie wir ihn kannten, gibt es nicht mehr", sagt Manfred Fiene betroffen. Wo früher imposante Bäume standen, sind jetzt nur Äste, Blattwerk und Baumstämme zu sehen. Viele der Bäume, die zwar noch stehen, sind stark beschädigt. Ob sie noch zu retten sind, kann noch niemand sagen.

Denn auf der Prioritätenliste der Stadtverwaltung rangiert der Poensgenpark derzeit weit hinten. "Wir haben uns erst einmal um die Sicherung der Schulen und Kindergärten gekümmert und natürlich darum, die Straßen frei zu machen", erklärt Fiene. Auch der Erholungspark Volkardey genießt eine höhere Priorität, er wird schlicht von wesentlich mehr Menschen genutzt. "Der Poensgenpark bleibt mindestens die nächsten vier Wochen gesperrt", so Fiene.

Schon am Haupteingang am Brügelmannweg wird klar, dass viele alte und imposante Bäume für immer aus dem Bild des Parks verschwinden werden. Eine rund 130 Jahre alte Sommerlinde ist umgestürzt und hat den Eisenzaun unter sich begraben. Der meterdicke Stamm und die Äste versperren den Eingang zur Allee Richtung Cromfordmuseum. Ihr Pendant direkt gegenüber ist beschädigt, ob diese Linde stehen bleiben kann, ist ungewiss. Die beiden Linden sind die letzten beiden der historischen Lindenallee.

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Auch der erste Blick vom Haupteingang aus in den Park hinein verrät: Die Ansicht des Parks hat sich völlig verändert. Die riesige Atlaszeder hat mehrere Hauptäste verloren, die Kastanienallee, die den Weg in Richtung Wasserburg säumt, ist ein Bild der Verwüstung. Einige der Kastanien sind umgestürzt, ihre Äste türmen sich auf der Wiese. Andere stehen zwar noch, doch sie sind stark beschädigt. Fast ragen sie wie überdimensionale Zahnstocher in die Höhe, die Äste und Blätter liegen verstreut auf dem Boden herum. "Derzeit können wir nicht ausschließen, dass die gesamte Allee zerstört ist", so Fiene. Überhaupt: "Der gesamte markante Einzelbaumbestand ist weg." Eine weit über 100 Jahre alte Sumpfeiche liegt der Länge nach auf der Wiese. Auch die drei Schwarzpappeln sind verloren, auf einem hatte die Verwaltung erst vor einer Woche ein Nest mit Waldkäuzen entdeckt und fotografiert. Der Ginkgobaum ist vom Sturm geköpft worden. Und auch die historische Ahornallee ist nun Geschichte.

Ein Durchkommen ist im Park kaum möglich, überall versperren umgefallene Bäume den Weg. An manchen Stellen gibt es gar kein Durchkommen mehr. Dort werden sich die städtischen Mitarbeiter erst nach und nach vorarbeiten können. Wie groß der Schaden wirklich ist, und ob wenigstens ein Teil der Bäume zu retten ist, kann erst beurteilt werden, wenn jeder Baum untersucht wurde. "Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass sich das Gesicht des Parks für die nächsten Jahrzehnte völlig verändert hat", sagt Fiene. Den Schaden schätzt er auf mindestens eine halbe Million Euro.

(RP)
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