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Ratingen: Demenz: Netzwerk der Hilfe

Ratingen : Demenz: Netzwerk der Hilfe

Die Zahl der Demenzkranken steigt – doch es ist schwierig, Kontakte und Vertrauen herzustellen. Es gibt immer noch eine große Hemmschwelle. Die Ratinger Demenzinitiative bietet zahlreiche Betreuungsangebote an.

Die Zahl der Demenzkranken steigt — doch es ist schwierig, Kontakte und Vertrauen herzustellen. Es gibt immer noch eine große Hemmschwelle. Die Ratinger Demenzinitiative bietet zahlreiche Betreuungsangebote an.

Diagnose: Demenz. Es ist eine Krankheit, die sich oft zwischen starker öffentlicher Wahrnehmung und Tabuzone bewegt. Demenz ist eine persönliche und gesellschaftliche Herausforderung — für die Betroffenen selbst sowie für Familienangehörige, Freunde und pflegende Menschen. Kreisdirektor Martin M. Richter weist auf fast 8000 Kranke hin, die derzeit im Kreis Mettmann unter dem schleichenden Verlust ihrer kognitiven und sozialen Fähigkeiten leiden.

Im sozialen Umfeld seien noch einmal 30 000 Angehörige, Bekannte, Nachbarn, Freunde und andere Beteiligte betroffen. Bis zum Jahr 2030, so betont Richter, werde sich nach Schätzung von Fachleuten die Zahl der Kranken verdoppeln. Die Ratinger Demenzinitiative und zahlreiche Kooperationspartner bieten Hilfe an. "Viele Aktive in Ratingen und viele engagierte Ehrenamtliche setzen sich seit Jahren für Menschen mit Demenz ein", berichtet Monika Rauser, die Koordinatorin der Initiative. So gibt es Treffpunkte, Demenzcafés und eine häusliche Betreuung, die seit kurzer Zeit von der Awo Angerland Lintorf angeboten wird. Demenzkranke werden in der häuslichen Umgebung umsorgt. Geschulte Kräfte lesen vor, spielen mit den Menschen, gestalten die zwei bis drei Stunden Betreuungszeit nach den individuellen Bedürfnissen der Erkrankten.

Das Angebot läuft schleppend an — dies aus zwei Gründen: 1. Viele Angehörige kennen diese Form der Hilfe noch gar nicht. 2. Betroffene schrecken nicht selten davor zurück, Hilfe und Rat zu suchen. Dabei tritt die Demenzinitiative intensiv dafür ein, der Krankheit ohne Scham zu begegnen und Angehörigen Mut zu machen.

In der Stadt gibt es viele sogenannte niedrigschwellige Angebote, die unter anderem das Ziel haben, pflegende Angehörige zu entlasten und zu beraten. In der Regel richtet sich die Hilfe an Pflegebedürftige mit erheblichem Bedarf an Betreuung. Je nach Schweregrad und Anerkennung durch die Pflegekassen stehen monatlich zwischen 100 und 200 Euro für diese Angebote zur Verfügung, die man zur Erstattung von Betreuungsleistungen nutzen kann.

Mitarbeiter werden geschult

Die Ehrenamtlichen, die in den Cafés und in der häuslichen Arbeit tätig sind, haben eine umfangreiche Schulung hinter sich. Und sie nehmen an Fortbildungen teil. Sie haben Freude am Kontakt mit Menschen, sie haben Einfühlungsvermögen und bringen den Mut auf, sich auf Menschen mit Demenz einzulassen.

Bei der Evangelischen Kirchengemeinde Lintorf-Angermund gibt es zum Beispiel die Projektgruppe namens NADIA — "Neue Aktionsräume für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen". Ein Team der Sporthochschule Köln hat die Gruppe begleitet und wissenschaftlich herausgearbeitet, dass dieses Angebot körperlich und geistig einfach gut tut. Sieben Paare treffen sich regelmäßig zweimal in der Woche und trainieren zum Beispiel ihre Reaktions- und Gleichgewichtsfähigkeit. "Die Menschen sind unheimlich motiviert", erklärt Bettina Borsch, die dieses Projekt betreut.

Auch in anderen Stadtteilen gibt es zahlreiche Angebote — zum Beispiel die Klön-Tür in Homberg und das Café Glockenblume in Hösel. In Ratingen West fehlt allerdings noch eine feste Einrichtung, bisher wird nur eine regelmäßige Sprechstunde im Ärztehaus angeboten. "Die Ratinger Demenzinitiative ist insgesamt sehr gut aufgestellt", unterstreicht Koordinatorin Monika Rauser, "wir könnten jedoch noch mehr Betroffenen und Angehörigen helfen."

(RP)