Ratingen: Demenz fordert die ganze Familie

Ratingen: Demenz fordert die ganze Familie

In knapp anderthalb Wochen wird Lena Gildemeister 28 Jahre alt, in wenigen Monaten soll ihre Bachelor-Arbeit fertig sein, im September wird der kirchliche Teil ihrer Hochzeitsfeierlichkeiten begangen. Und seit dem 1. März hat sie einen Job in Ratingen. Sie ist jetzt für die Koordination in der Ratinger Demenzinitiative zuständig.

Seit zwei Monaten ist der so genannte Laden in der Wallpassage ihre Arbeitsstätte. Und schon in einer Woche (siehe Kasten) kann sie sich bei einer für Besucher kostenfreien Infoveranstaltung bewähren.

Das Feld ist bestellt - hat sich doch die Ratinger Demenzinitiative unter dem Dach der Theodor Fliedner Stiftung und mit Unterstützung der Stadt Ratingen im Jahr 2004 gegründet. Acht Jahre hat Monika Rauser erfolgreich für die Ratinger Demenzinitiative gearbeitet: "Ich habe diese Arbeit sehr, sehr gerne gemacht", sagt sie.

Daran kann die neue Frau nun anknüpfen. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt in fachkundigen Beratungen von Menschen mit Demenz, ihren Angehörigen, Freunden, Nachbarn sowie Interessierten. Auch die Gedächtnissprechstunde ist seit Jahren fester und viel genutzter Bestandteil des Angebots, zudem die Vermittlung zu Beratungs-, Betreuungs-, Entlastungs- und Informationsangeboten. Fachleute der Fliedner Stiftung sprechen von 1500 Ratingern, die an Demenz erkrankt sind. Nun findet man den Begriff der Koordinatorin in einer Demenzinitiative nicht in den Berufsbildbroschüren, die man zum Ende der Schule durchblättert. Auch Lena Gildemeister hatte zunächst andere Ambitionen. Sie suchte schließlich diesseits des medizinischen numerus clausus eine Ausbildung und fand sie, genau richtig für ihre Vorstellungen nach dem Abi, in der Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin. Sie arbeitete im Bereich Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie in einem Krankenhaus ihrer Heimatstadt Essen.

Dann studierte sie an der Evangelischen Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe in Bochum den Studiengang Pflegewissenschaft. Der hat das Ziel, die Professionalisierung der Pflege voranzutreiben. "Studierende sollen in die Lage versetzt werden" - so die Selbstdarstellung der Hochschule - "Pflege in neuen Versorgungsformen zu verorten und in bestehenden Strukturen zu Verbesserungen beizutragen". Und: "Kooperationsvereinbarungen mit Gesundheits- und Krankenpflegeschulen und Fachseminaren für Altenpflege gewährleisten die Verzahnung zwischen Wissenschaft und Praxis." Nun erst mal die Bachelorarbeit, dann, so plant es Lena Gildemeister, die Masterqualifikation.

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Sie ist mit vertraglich geregelten 25 Arbeitsstunden pro Woche in der Lage, die erwünschte Work-Life-Balance zu verwirklichen - aber das auch, weil ihr Ehemann sie tatkräftig unterstützt und an den Dingen in ihrem Berufsleben teilnimmt, die auch mal nicht leicht sind. "Ein dementes Familienmitglied ist schließlich eine wirkliche Herausforderung für eine Familie", meint er.

Lena Gildemeister ist sehr zufrieden mit den mannigfaltigen Angeboten in Ratingen, die ein tragfähiges Unterstützungs- und Hilfsnetzwerk ausmachen. Dazu gehören auch die ersten Tests, die Markus Kudla, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie am Kaiserswerther Fliedner-Krankenhaus, nach Terminabsprache (Telefon 0172 7421138) in der "Gedächtnissprechstunde" dienstags zwischen 14.30 und 17 Uhr im "Laden" anbietet.

Weitere Öffnungszeiten der Demenzinitiative, Wallstraße 30: montags, 15.30 bis 17 Uhr; donnerstags, 10.30 bis 12.30 Uhr; jeden zweiten und vierten Samstag im Monat, 10.30 bis 12.30 Uhr. Infos: www.ratindemenz.de.

(gaha)