1. NRW
  2. Städte
  3. Ratingen

Heiligenhaus: Demenz darf kein Tabu sein

Heiligenhaus : Demenz darf kein Tabu sein

In der Betreuungsgruppe vom Demenznetz Heiligenhaus treffen sich jeden Freitag von Demenz betroffene Menschen. Bislang sind es nur wenige, obwohl die Zahl der Erkrankten in der Stadt dreistellig ist. Bei den Treffen steht der gemeinschaftliche Spaß im Vordergrund.

Immer wieder mal Namen vergessen, den Schlüssel nicht finden, nicht mehr wissen, was man vorhin gemacht hat – der Unterschied zwischen der normalen Altersvergesslichkeit und dem Beginn des krankhaften Vergessens, der Demenz, ist ein schmaler Grat. "Es gibt sie nicht, die offensichtlichen Symptome, bei denen die Krankheit sofort klar ist", sagt Christel Prätorius.

Sie leitet die seit 2007 bestehende Betreuungsgruppe des Demenznetzes, die sich jeden Freitag von 9.30 bis 11.30 Uhr im Ludgerustreff an der Rheinlandstraße trifft. Acht Erkrankte finden sich dort regelmäßig ein. Ein überschaubareres Interesse, angesichts der hohen Zahl von Betroffenen. "Die Zahl der an Demenz Erkrankten liegt in Heiligenhaus schätzungsweise bei mindestens 400 Patienten. Die Dunkelziffer liegt sehr wahrscheinlich viel höher", sagt der einzige männliche ehrenamtliche Betreuer des zertifizierten Teams des Treffs, Klaus Niedergesäß.

Demenz ist immer noch ein Tabuthema, und darunter leiden nicht nur die Patienten, die sich oftmals ihre Krankheit nicht eingestehen wollen, sondern auch den Angehörigen. "Der Schritt in die Öffentlichkeit fällt vielen schwer", so Prätorius. Es sei die Angst, dass bekannt wird, dass der Erkrankte nicht mehr "funktioniere". In der Betreuungsgruppe kann man die Scham getrost ablegen. In der von vier ehrenamtlichen, zertifizierten Betreuern begleitete Gruppe erwartet die Patienten ein ganzheitliches Programm. Rituale, wie das gemeinsame Frühstücken gehören ebenso dazu, wie die Gymnastikstunde, das Basteln und die Erinnerungsspiele. "Es ist wichtig, die Menschen nicht einfach nur Gymnastik machen zu lassen, sie müssen etwas damit verbinden. Man muss die Phantasie ansprechen." Und so werden Bewegungen aus dem Alltag eingebunden und in eine Geschichte verpackt. "So machen wir dann zum Beispiel gedanklich eine Reise ans Meer, in der sich die Patienten schlängeln wie Aale oder schwimmen wie Kaulquappen", erzählt die für Bewegung zuständige Betreuerin Anita Kohl. Die Patienten müssten angeregt werden, damit sie gar nicht erst in Lethargie versinken.

Reise auf dem Rhein

Die Übungen können sie gut mit nach Hause nehmen, ebenso wie die Basteleien, die sie gemeinsam mit Renate Calenberg anfertigen. Sie trainieren die gesamte Motorik. Gemeinsam ging es für die ganze Gruppe vor kurzem auch auf eine richtige Reise, auf dem Rhein nach Rüdesheim. "Ob Betreuer oder auch Teilnehmer, alle sind begeistert bei der Sache. Es macht einfach Spaß", sagt Kohl. "Nicht nur die Demenzgruppe selbst, auch die Angehörigen seien zu einer tollen Gruppe zusammen gewachsen. Man holt sich zum Beispiel gegenseitig ab und fährt gemeinsam zum Treffen", erzählt Prätorius.

Jeden ersten Freitag im Monat treffen sich auch die Angehörigen zu einem Gesprächskreis. Zeit für den gemeinsamen Austausch, für Sorgen und Fragen. Kohl: "Wir kümmern uns ja nur ein paar Stunden um die Teilnehmer, ihre pflegenden Angehörigen, Ehepartner oder Kinder, kümmern sich 24 Stunden um sie. Ich wünsche sowohl den Erkrankten, aber vor allem auch deren Angehörigen, dass sie solche Angebote wie die Betreuungsgruppe annehmen können, um die Zeit zu nutzen."

Die Gruppe trifft sich jeden Freitag von 9.30 bis 11.30 im Ludgerustreff an der Ludgerusstraße 2a. Kontakt: Christel Prätorius, Tel. 02056 21189.

(sade)