Ratingen : Grüne diskutieren im Netz über Rassismus

Elizabeth Yeboah, Ratsfrau der Grünen. Sie berichtete von einem Erlebnis bei der Ausländerbehörde. Bei ihrer Flucht aus Kamerun vor 20 Jahren musste sie ihren Sohn zurücklassen.

(kle) Es war eine Premiere: Die Grünen haben am Donnerstagabend zu einer Videokonferenz zum Thema „Rassismus in Ratingen?!“ eingeladen. 17 Menschen waren dabei, darunter Parteimitglieder wie Bürgermeisterkandidat Martin Tönnes, und viele Menschen mit Migrationshintergrund.

„Wo gibt es Rassismus in Ratingen konkret?“ Dies wollte Moderator Piet Hülsmann wissen. „Rassismus passiert täglich, und das ist unerträglich“, meinte Elizabeth Yeboah, Ratsfrau der Grünen. Sie berichtete von einem Erlebnis bei der Ausländerbehörde. Bei ihrer Flucht aus Kamerun vor 20 Jahren musste sie ihren Sohn zurücklassen. In Deutschland wollte sie ihr Kind zu sich holen. Eine Frau von der Ausländerbehörde, so berichtet die Ratsfrau, habe ihr damals ihr Recht verwehren wollen, sogar darauf bestanden, dass man den Sohn zurücklassen solle, damit er hier nicht zur Last falle.

Auch andere Teilnehmer der Videokonferenz berichteten von ihren Erfahrungen bei Behörden und Polizei. Eine Krankenschwester mit dunkler Haut erzählte, dass sich einige kein Blut von ihr abnehmen ließen. „Wir erleben das jede Sekunde, jeden Tag, in jedem Bereich,“ meinte Teilnehmerin.

Gespräche seien ein Mittel, um Vorurteilen entgegenzuwirken, da war sich die Runde einig. Ein Ansatz, so meinte Annabell Fugmann von den Grünen, sei es, in der Verwaltung bewusst mehr Menschen mit Migrationshintergrund einzustellen. Eine andere Möglichkeit sei der Lehrplan in Schulen: Die Kolonialzeit müsse im Geschichtsunterricht durchgenommen werden. Und: Die Grünen beantragen eine Antidiskriminierungsstelle in der Ratinger Verwaltung.