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Das Talschlösschen findet einen kreativen Weg in Zeiten des Coronavirus

In der Corona-Krise : Talschlösschen verkauft Bier außer Haus

Inhaber Christian Pannes hatte in der Corona-Krise eine kreative Idee und bietet sein „Ratuga“ nun am Fenster an.

Es ist eine kleine Zeitreise. „Wir machen das momentan so, wie es unsere Eltern in den 50er, 60er Jahren erlebt haben“, sagt Christian Pannes. Der Inhaber des Talschlösschens an der Schützenstraße meint damit den Außer-Haus-Verkauf seines eigenen Bieres „Ratuga“, das er nach Vorbestellung zu festen Zeiten am Fenster herausgibt. „Alte Stammgäste haben uns erzählt, wie sie als Kinder früher mit dem Krug des Vaters hierhin gekommen sind, an die Klappe geklopft haben, den Krug und das Geld hineingelegt haben und der Wirt dann Bier in den Krug gefüllt hat. Das haben die Kinder dann dem Vater gebracht. Einige haben auf dem Nachhauseweg auch am Schaum genippt“, sagt Pannes schmunzelnd, der ergänzt: „Es ist echt schön, so alte Geschichten zu hören.“

Nur der Grund, aus dem sie jetzt wieder aufleben, ist weniger schön: Durch die Coronavirus-Pandemie muss das Talschlösschen wie alle anderen Lokale geschlossen bleiben, was natürlich wirtschaftliche Konsequenzen hat und haben wird. Um das abzufedern, kam Pannes die Idee des Außer-Haus-Verkaufes. „Wir dürfen halt nicht öffnen, ich kann aber nicht gut auf der faulen Haut liegen“; sagt der 42-Jährige. „Ein Essens-Lieferdienst wäre vom Kosten-Nutzen-Faktor her nicht sinnvoll. Wir brauchen aber Geld in der Kasse und wollen im Gespräch bleiben. Da ich keine Spendenaktion ohne Gegenleistung mag, haben wir uns überlegt, was wir neben unseren T-Shirts und ,Zu Hause in Ratingen’-Aufklebern“ verkaufen können.“

Und da lag das eigene Bier nahe, nur war die Umsetzung nicht so einfach. „Das wird bei uns im Haus gebraut und gibt es normalerweise nur in Fässern“, sagt Pannes über das „Ratuga“, das er mit zwei befreundeten Brauern aus Düsseldorf erfunden und als „überzeugter Lokalpatriot“ mit einem Namen versehen hat, der an die erste urkundliche Erwähnung Ratingens erinnert. Die heimische Spezialität aus den Fässern in Flaschen zu bekommen, ist im Talschlösschen nicht möglich, doch die Brauer fanden einen Weg: „Sie dürfen eine Brauerei in Castrop-Rauxel nutzen und nehmen das Fass jetzt von hier mit und füllen das Bier da in Flaschen ab“; erklärt Pannes.

Neben dem sehr gut angenommenen Außer-Haus-Verkauf des Bieres hat Pannes, der seit acht Jahren Inhaber des Talschlösschens ist, nun auch einen Online-Shop auf der Facebook-Seite seines Lokals eingerichtet. „Ich mag es, wenn Sachen ansprechend verpackt sind, und ein Online-Shop mit nur einem Artikel sieht blöd aus. Aber jetzt haben wir genug zusammen, dass es sich lohnt.“ Neben den erwähnten T-Shirts und Aufklebern gibt es auch Gutscheine für einen Besuch des Talschlösschens nach der Krise sowie die „Lieblingsgeschäftsunterstützungskarte“, mit der man in bestimmten Lokalen ein Getränk kostenlos bekommt, sobald sie wieder öffnen dürfen.