Heiligenhaus: Das langsame Ende der Telefonsäulen

Heiligenhaus: Das langsame Ende der Telefonsäulen

Die Telekom will weitere drei Telefonzellen in der Stadt abbauen. Der Ausschuss der Wirtschaftsförderer will am Donnerstag darüber sprechen.

Ein Quadratmeter Platz, dieses gewisse Klacken von durchrutschenden Geldstücken und ein markanter Klang - wer früher von unterwegs telefonieren musste, der suchte sich eine von den damals noch gelben öffentlichen Fernsprecher, umgangssprachlich besser als Telefonzellen bekannt.

Diese Kabinen, später dann mit Telefonkarten nutzbar und teilweise durch Säulen ersetzt, standen überall in den Städten verteilt, und sie boten - mit Glück - sogar noch lesbare Telefonbücher, wenn die Nummer einmal nicht zur Hand war. Heute hat man mit dem Smartphone diese Funktionen bereits allesamt in der Hosentasche und immer dabei. Über 20 Telefonzellen waren es einmal auf Heiligenhauser Gebiet. Doch es sind bereits deutlich weniger geworden, und es werden noch weniger: Denn die Deutsche Telekom als Betreiber der Telefonzellen plant, weitere drei Standorte, an der Harzstraße/Rhönstraße, Hauptstraße 157, sowie an der Herzogstraße 75, aufzugeben und abzubauen. "Aufgrund der umfassenden Versorgung durch Festnetz und Mobilfunk werden öffentliche Telefonzellen nicht mehr frequentiert und deren Akzeptanz tendiert in der Bevölkerung gegen Null", heißt es dazu in der Vorlage, die am Donnerstag, 18 Uhr, dem Ausschuss der Wirtschaftsförderer als Beratungsvorlage dient. "Obwohl die Telefonzellen nicht mehr benutzt würden, entstünden durch die laufende Unterhaltung, Reinigungs- und Instandhaltungsmaßnahmen Kosten in beträchtlicher Höhe, die die nicht nennenswerten Einnahmen um ein Vielfaches übersteigen würden." Zudem würde das Netz der Telekom Deutschland AG auf moderne IP-Technik umgestellt. Eine Umrüstung der alten Telefonzellen wäre mit Neuinvestitionen im vierstelligen Bereich (pro Standort) verbunden, der als nicht vertretbar angesehen wird.

Entsprechend einer Vereinbarung mit dem Deutschen Städtetag ist der Rückbau von öffentlichen Fernsprechern grundsätzlich im Einvernehmen mit den Kommunen gestattet, wenn der Umsatz unter 50 Euro pro Monat und Standort sinkt. Die angesprochenen Geräte lägen deutlich unter diesem Wert, und würden teilweise gar nicht mehr genutzt.

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Trotzdem möchte die Stadtverwaltung "jedoch nochmals den 'Stellenwert' zweier Standorte verdeutlichen': Hauptstraße 157 als zentrale Bushaltestelle vor dem Rathaus; Herzogstraße 75 als Standort im unmittelbaren Umfeld der Schule und der größten Veranstaltungsstätte. Und will statt des Rückbaus eine Aufwertung als sogenannte Smart Cell anregen. "Durch entsprechende technische Erweiterung ist es an diesen Standorten möglich, den Mobilfunkempfang in einem Radius von rund 200 m deutlich zu erhöhen", heißt es dazu in der Vorlage. "Das Abbauen der Telefonhäuschen widerspreche nicht dem öffentlichen Grundversorgungsauftrag, sagt Unternehmenssprecherin Katja Werz im Telekom Onlineblog. "Denn wenn die öffentlichen Telefone nicht genutzt werden, tragen sie auch nicht zur Grundversorgung bei."

Die allererste Telefonzelle, der sogenannte Fernsprechkiosk, wurde übrigens 1881 in Berlin aufgestellt. 1899 kam der Münzfernsprecher auf, Telefonzellen für geschlossene Räume.

(sade)