Heiligenhaus: Das ist echt jeck: Immanuel Kant fährt Bulli

Heiligenhaus: Das ist echt jeck: Immanuel Kant fährt Bulli

Das Kant-Gymnasium wird 50. Das Jubiläumsjahr beginnt mit einer Premiere: Oberstufenschüler bauen einen Mottowagen für den Zoch am Samstag. Im Blickpunkt steht selbstverständlich der Namenspatron.

Der Werkraum des Kant-Gymnasiums ist konfetti- und luftschlangenfreie Zone - hier wir gearbeitet. Nur zurzeit etwas anders als sonst. Denn der Oberstufen-Kunstkurs der Q1 hat sich aus besonderem Anlass ein Premierenprojekt vorgenommen: Die Schule feiert in diesem Jahr 50-jähriges Bestehen - und was wäre geeigneter als ein Mottowagen im Karnevalszug, um genau das möglichst vielen Heiligenhausern auf einmal mitzuteilen? Immerhin - Kant möge verzeihen - sind die tollen Tage der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Nicht-Narretei.

Man muss nun nicht gleich in die Schublade "Geistesgeschichte" greifen, um das Projekt zu erklären. Aber so mir nichts, dir nichts, lässt sich auch zu Karneval keine Kunst schaffen, wie Kunstlehrer Dag Seemann erklärt: "Das Motto heißt ,Schule gestern, heute, morgen' - 50 Jahre IKG'. In einer Unterrichtsreihe haben wir uns mit Karneval beschäftigt - wo kommt er her, wie wird er wo gefeiert." Die Optik des Wagens folgt zwei Ideen: "Wir haben uns anhand alter Bilder mit Farbgebung, Fotomotiven und Schriften der 60er Jahre beschäftigt. Die sollten sich auf dem Wagen wiederfinden", sagt Ole Schöpper. Er hat an Kopf- und Rückseite des Aufbaus mitgearbeitet. "Maße ausrechnen und bestimmen" - das sei eine von zahlreichen Aufgaben gewesen - "ein ziemlich aufwendiges Projekt".

So geht Schuljubiläum: Rückansicht in Retro-Optik. Foto: P. Köhnes

Am Heck des Anhängers prangt der Schriftzug: "Wir powern seit 50 Jahren." Knallbunt und in Retro-Schriftzügen. Rein technisch sieht das Ergebnis so aus: Ein Privatmann stellte einen Anhänger zur Verfügung, 1,80 Meter breit, vier Meter lang. Den umbauen die Schüler mit ihren Motiven. Wobei - logisch - die Frontansicht der Clou ist: Sie besteht aus einem überdimensionalen Kopf des Immanuel Kant. "Der besteht aus Holz, Drahtgeflecht mehreren Lagen Papier, Kleister und Farbe. Angefertigt hat den eine der Arbeitsgruppen nach alten Bildern. Wir wollten wesentliche Merkmale des Porträts herausarbeiten - gar nicht so einfach", kommentiert Nico Scholl. Dass das Porträt munter mit der Frontansicht eines sixties-typischen VW-Bulli kombiniert wird, ist ein Gag an der Sache. Eine kleine Hommage an Hippiezeit und Flower-Power-Bewegung.

Gestern war für den Kunstkurs die Zeit gekommen, die Einzelteile mitsamt Lattengerüst und dreidimensionalem Kant-Kopf in Richtung Scheune zu verfrachten, in der der Anhänger bereitstand. "Es musste zeitig fertig werden", sagt Kunstlehrer Seemann zu einem weiteren erklärten Ziel des Projekts. Am Samstag werden nach seiner Schätzung "50 bis 60 Leute" vom IKG mitziehen - fünfte und sechste Klassen darunter - und etwa ein Dutzend Lehrer. Und eins hat Seemann nicht vergessen: "Für Sicherheit direkt am Wagen sorgen pro Seite drei Helfer, eigens mit Westen ausgestattet."

Wer vor dem Zoch am Samstag schon einen etwas anders gearteten Umzug in der Stadt sehen möchte, ist heute beim "Krachmacherzug" in Hetterscheidt genau richtig. Der Abschluss der Karnevalsfeiern an der Tersteegen-Grundschule trägt das Motto: "Mit Pauken und Trompeten, mit Tröten und Rasseln durch Hetterscheidt". Zum 16. Mal ziehen die Kinder aller Klassen mit ihren Lehrern bunt verkleidet, ausgestattet mit möglichst vielen "Krachmacher-Instrumenten" durch Hetterscheidt. Start: 10 Uhr ab Tersteegen-Schule. Hier sind es übrigens die Zuschauer, die traditionell Kamelle werfen.

(RP)