Velbert/Heiligenhaus: Das gute Werkzeug sorgt fürs Schönsein

Velbert/Heiligenhaus : Das gute Werkzeug sorgt fürs Schönsein

Gestern wurde im Museum Abtsküche die Sonderausstellung „Rasur, Frisur & Kosmetik“ eröffnet, die noch bis zum 30. Juni zu sehen ist.

Die Venus von Willendorf ist eine etwa elf Zentimeter große Figurine, die 1908 bei Ausgrabungen in Niederösterreich entdeckt wurde – ihr Alter wird von Experten auf etwa 30.000 Jahre geschätzt.

Eine Besonderheit dieses ohnehin beeindruckenden Fundes: Es wird eine Frau dargestellt, die bereits eine Frisur oder Kopfbedeckung trägt, an der Spuren von Rötel nachgewiesen werden konnten.

Eine Replika aus dem Fundus kann man derzeit im Museum Abtsküche sehen: Sie illustriert die Anfänge der menschlichen Schönheitsgeschichte, der sich die neue Sonderausstellung „Rasur, Frisur & Kosmetik“ noch bis 30. Juni widmet. Sie ist bereits die dritte Schau, die sich dem Thema widmet.

In der aktuellen Schau rückt Museumskustos Reinhard Schneider mit seinem Team und Unterstützern auch den Schmuck der Herren mehr in den Fokus. Den bekannt liebevollen Blick für Details gibt es auch in dieser haarigen Ausstellung, die zu den üblichen Öffnungszeiten kostenfrei zu erleben ist.

Eröffnet wurde sie gestern von Reinhard Schulze Neuhoff, dem Vorsitzenden des Geschichtsvereins, der als Hauptredner Bürgermeister Michael Beck gewinnen konnte. Und der lud, wie schon zur Ausstellung 2007, zu einer Zeitreise bis in die Anfänge der auffindbaren, menschlichen Kulturgeschichte zurück. „Haut und Haare hat jeder. Deswegen gibt es Körperpflege in allen Epochen und Kulturen.“

Rasiermesser, Lockenwickler und Dauerwellenapperat, Spiegel, Steckkämme, Ondulier- oder Marceleisen oder Repliken von alt-römischen Salböl-Gefäßen sind in der Abtsküche dabei ebenso zu sehen wie beispielsweise ein Rasiergerät aus der Nachkriegszeit für die Nackenhaare.

Eine Besucherin erinnert sich: „Das Gerät hat mir in der Kindheit höllische Angst gemacht.“ Ganz besonderes Schmankerl der Ausstellungseröffnung: Eine Expertin knüpfte live eine Perücke. „Zu Zeiten von Ludwig XIV. galt, je höher die Perücke, desto mächtiger ihr Träger, bei Männern und Frauen“, verriet Beck.

Der Wandel der kulturellen Einflüsse sei deutlich an der Bartmode zu erkennen: „Der durchschnittliche Mann steht in seinem Leben etwa 150 Tage vor dem Spiegel zur Bartpflege.“

Der Bart, genauso wie die Frisur, sei dabei oftmals auch Ausdruck dafür, wie der Mensch einer Kultur gerne aussehen möchte. Bis heute sei der Bart Symbol für gesellschaftliche Abgrenzung.

„Vor der 1848-Revolution galt ein Schnauzbart sogar als staatsgefährdend. Während es Zeiten gab, in denen der Schnäuzer beim Militär als Zeichen der Männlichkeit sogar verpflichtend war.“ Bei den Frauen zeigte sich vor allem in der Haarmode nach dem Ersten Weltkrieg die Emanzipation.

Diese Bartschneidemesser gehören ebenfalls zu den interessanten Ausstellungsstücken. Foto: Blazy, Achim (abz)

Öffnungszeiten: Mittwoch 15 bis 18 Uhr, Samstag 13 bis 17 Uhr, Sonntag 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist kostenfrei.

Mehr von RP ONLINE