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Corona bewirkt erhöhte Nachfrage nach Kleingärten in Ratingen

Ratinger suchen Kleingärten : Die eigene Scholle ist gefragter denn je

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie suchen Ratinger verstärkt einen Kleingarten oder ein Stück Land. Bürger fürchten einen Zusammenbruch der Lieferketten und wollen ihr Gemüse künftig selbst anbauen.

Seit nunmehr drei Monaten hat sich das Leben der Ratinger gewandelt. Freizeitgestaltung ist kompliziert. Viele Einrichtungen erwachen erst langsam wieder zum Leben. Die Urlaubsplanung steckt voller Hindernisse. Selbst das Einkaufen ist eine Herausforderung. Da keimt schnell der Wunsch nach einer eigenen Scholle auf.

„Seit Ausbruch der Corona-Pandemie haben mich rund 20 Bewerbungen erreicht“, sagt Klaus Mönch, Vorsitzender des Stadtverbandes für Kleingärten. Sieben Vereine mit rund 500 Parzellen sind über das Stadtgebiet verteilt.

„Kleingärten werden häufig über mehrere Generationen vererbt“, so Mönch. „Wenn doch mal einer frei wird, muss zunächst der Wert ermittelt werden.“ Je nach Ausstattung von Garten und Laube zahlt der neue Pächter eine Ablösesumme zwischen 1500 und 7000 Euro. „Die laufenden Kosten betragen anschließend etwa 250 bis 300 Euro pro Jahr.“

Schon seit einigen Jahren verzeichnet Klaus Mönch eine steigende Nachfrage. Besonders Familien zeigen sich interessiert. Corona hat diesen Wunsch weiter befeuert. „Jetzt will jeder sein Stück Land, einen abgeschlossenen Bereich, in dem die Kinder behütet aufwachsen und Obst und Gemüse angebaut werden kann“, berichtet Mönch.

Aber: „Alle Parzellen sind belegt“, so Mönch. „Die Vereine haben lange Wartelisten. Zwei (Gartenfreunde an der Anger und Schützenburg) haben sogar einen Bewerbungsstopp verhängt.“ Es kann Jahre dauern, bis Interessenten einen der durchschnittlich 350 Quadratmeter großen Gärten beackern dürfen.

Umso glücklicher waren die Ratinger, die einen Kleingarten ihr eigen nennen. „Das Wetter war schön und es gab keine Ausgangssperre. Die Gärten wurden gut genutzt“, so Mönch. Nur das sonst gesellige Vereinsleben macht Corona-Pause. „Wir haben das Sommerfest abgesagt“, sagt Mönch. „Ebenso unsere Teilnahme am Tag der Offenen Gartenpforte. Wir hoffen, dass wir im September mitmachen können.“

Georg Küpper, Sprecher der Bahn-Landwirtschaft Ratingen Ost, stellt keine erhöhte Nachfrage fest. Allerdings gilt auch hier: Alle Gärten an der Neanderstraße 2b werden bewirtschaftet, zum Teil sind sie seit Jahrzehnten in einer Hand. „Wer sich für einen Garten interessiert, der muss zunächst Vereinsmitglied sein“, so Küpper. Anschließend landet der Bewerber auch hier auf der Warteliste. „Mit ein bisschen Glück wird innerhalb einiger Monate eine Fläche frei, so der Ratinger. „Meistens müssen Bewerber aber einige Jahre Wartezeit kalkulieren.“

Ganz anders ist die Situation bei Nermin Ischebeck, die auf dem Buscherhof Selbsterntegärten bewirtschaftet. Zu Beginn des Gartenjahres bestückt die Gärtnermeisterin Felder mit verschiedenen Kräutern und Gemüsesorten. Je nach Bedarf können Flächen von 45 oder 90 Quadratmetern gebucht werden. Hobbygärtner bewirtschaften ihre Fläche dann selbst. „Wir stellen eine erhöhte Nachfrage fest. Wenn eine Parzelle frei wird, ist sie auch schnell wieder weg.“

Corona hat auch hier ein Umdenken bewirkt: „Plötzlich waren die gewohnten Lieferketten nicht mehr gewährleistet. Deshalb gehen die Menschen dazu über, ihre Ware vor Ort zu kaufen oder gleich selbst anzubauen“, stellt Nermin Ischebeck fest. „Der Umgang mit Nahrungsmitteln wird bewusster.“ Das freut die Gärtnerin, nicht nur, weil sie mehr Anerkennung für ihren Beruf erfährt: „Es ist nachhaltig, es entsteht keine Verpackung, man ist autark und die Wertschätzung für die Produkte steigt.“ Gestiegen ist auch die Nachfrage nach Jungpflanzen. Wer kann, baut jetzt ein wenig Gemüse zuhause an.