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Collegium Musicum Ratingen spielt im Stadttheater

Kultur in Ratingen : Orchester spielt Musik, die zu Herzen geht

Collegium Musicum präsentiert Werke von Komponisten der Wiener Klassik im Stadttheater. Dirigent Peter Wuttke löste 2020 Orchesterleiter Eberhard Dietz ab und führte durch das Programm.

Ein zu Herzen gehendes Konzert bot das Collegium Musicum Ratingen seinen Zuhörern im sehr gut besuchten Stadttheater am frühen Sonntagabend. Wie der Dirigent Peter Wuttke in launigen Worten erzählte, standen in diesem Konzert Werke der vier großen Komponisten der Wiener Klassik auf dem Programm, – allerdings, wie er augenzwinkernd sagte, unter dem Motto: „Jugend komponiert“, – analog zu „Jugend musiziert“, dem großen, bundesweiten Wettbewerb des musikalischen Nachwuchses.

Mozart war wohl erst acht Jahre alt als er die Symphonie G-Dur zu Papier brachte, – eine unvorstellbare Leistung des jungen Knaben. Spritzig, lebhaft und doch mit erhabenen Tönen erklang das Allegro maestoso und die Streicher, noch etwas zögerlich, gefielen mit sanftem Einstieg in den zweiten Satz, den sie sehr konzentriert vortrugen. Leider waren die Bläser, die im Gegensatz zum Laienorchester allesamt Profimusiker waren, einfach zu laut, was dem sehr schönen, eigentlich neckischen Dialog zwischen den beiden Instrumentengruppen doch ein wenig den Schmelz nahm.

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Selbst Papa Haydn war mal jung und hatte, falls das Violinkonzert in G-DUR wirklich von ihm stammt, dieses dann ganz früh komponiert, denn Aufbau und Struktur ließen noch das dahin schwindende Zeitalter des Barock erkennen. Perlende Läufe und Koloraturen, – eine strapaziöse Spezialität des Barock, zierten das Thema, denen Birgit Seibt mit ihrer Violine klangvolles Leben einhauchte.

Besonders im Adagio gelang dem Orchester ein romantischer Start. Hier wurde sauber musiziert und die Solovioline glänzte mit einer Variationsbreite des Themas und die sehr schöne Harmonie zwischen Violine und dem Orchester begeisterte.

Nach der Pause erlebte das Publikum nochmals Birgit Seibt als Solistin, die im Hauptberuf bei den Essener Philharmonikern konzertiert. Hier sollte dem Publikum eine der beiden Romanzen für Violine, die in F-Dur geboten werden, – und das war eine Herausforderung für das Orchester: ein Stück, bei dem dem Ohr eigentlich jeder Ton bekannt ist und zum Mitsummen animiert, – diese Nagelprobe bestand das Orchester mit Bravour, – wiederum eine Einschränkung: die zu lauten Bläser. Die Solistin nahm die herausfordernden Koloraturen, die extrem hohen Spitzentöne routiniert, doch mit innigem Spiel an. Wahrhaft ein Genuss.

Als krönender Abschluss dieses Wohlfühlkonzerts erklang Schuberts Sinfonie Nr. 5, – eines seiner bekanntesten Werke. Und hier geschah etwas, das ungläubiges Staunen hervorrief: Die Streicher ließen Selbstbewusstsein und überzeugendes Spiel erleben, – es gelang ein wohltemperierter, ausgewogener orchestraler Klang inklusive der Bläser. Im Adagio überzeugten die Streicher mit derart feinen, warmen Tönen, – es wurde einfach richtig schön musiziert. Lag es daran, dass sich Birgit Seibt, die Solistin, ins Orchester begeben hatte und zu Selbstvertrauen und damit entspanntem Spiel inspiriert hatte? Einen solchen Effekt kennt man aus allen Lebensbereichen. 

Die Schubert Sinfonie geriet mit groß angelegten Spannungsbögen und feiner Dynamik, interessanten Wechseln in den Tonarten und einem spielfreudigen Orchester zum Höhepunkt des Abends, und das war Peter Wuttke, der seine Instrumentalisten mit exaktem, nachvollziehbarem, elegantem, dennoch schnörkellosem Dirigat durch das Programm geführt hatte, zu verdanken. Monatelanges Üben, immer wieder Termine verschieben zu müssen (Dank Corona) und sein Orchester dennoch bei Laune zu halten, – dafür gebührt ihm ehrliche Anerkennung, für die er sich mit einer anmutigen Zugabe, dem 9. von zwölf Tänzen Beethovens, strahlend bedankte.