Caterer statt frischer Küche

Ratingen : Kita hat bald keine Köchin mehr

Aus strategischen Gründen will man ab August einen Caterer in Homberg einsetzen. Die Eltern sind verärgert.

In der Küche der katholischen Kindertagesstätte St. Jacobus in Homberg wurde seit 40 Jahren stets frisch gekocht. Eine angestellte Köchin übernahm die Zubereitung der kindgerechten Speisen. Doch damit soll mit Beginn des neuen Kindergartenjahres im August Schluss sein.

Der Träger der Einrichtung, die katholische Pfarrgemeine St. Peter und Paul, hat sich „aus strategischen Gründen“, so Verwaltungsleiter Jürgen Dörfer entschieden, künftig einen Caterer zu engagieren, so wie in den drei weiteren Kitas der Pfarrgemeinde auch.

Die Mitglieder des Homberger Elternrats sind enttäuscht. Sie haben sich für den Verbleib der Köchin eingesetzt, nach eigenen Angaben versucht, Kompromisse zu finden. Wie beispielsweise das Angebot, einen höheren Essensbeitrag zu zahlen, die Arbeitsstunden der Köchin zu reduzieren. All dies war vergeblich. Die Entscheidung ist gefallen.

In Zeiten, in denen frische Produkte einen immer größeren Stellenwert einnehmen, Eltern auf die gute Ernährung ihrer Kinder bedacht sind, wird in Homberg eine bewährte und zeitgemäße Essens-Versorgung  abgeschafft.

Für die Eltern ist das Kochen vor Ort zudem weit mehr als nur die Versorgung der Kinder. Die sehen zugleich, wie die Produkte im Rohzustand aussehen, können Wünsche für den nächsten Tag äußern und im Herbst mit der Köchin aufs Feld nebenan gehen, um eigenhändig die Kartoffeln auszubuddeln. Bester Anschauungsunterricht.

Enttäuscht sind die Eltern aber auch, dass sie in die Entscheidung der Kirchengemeinde nicht schon im Vorfeld eingebunden wurden. „Wir haben davon durch Zufall erfahren“, sagen sie.

Dies beweist ein Schreiben der Kirchengemeinde an die Eltern: „Wie sie in den letzten Tagen und Wochen vernommen haben, hat sich der Träger der Einrichtung, die Katholische Kirchengemeinde St. Peter und Paul, dazu entschlossen, zukünftig auf einen Caterer umzustellen.“ Gespräche mit den Eltern wurden erst anschließend geführt.

„Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, erklärt auf Anfrage Jürgen Dörfer. „Wir sahen aber keine andere Möglichkeit.“ Denn sollte die Kita  in weiterer Zukunft aufgrund von mangelnder Nachfrage doch einmal geschlossen werden müssen, könnte die Köchin in keiner der drei anderen Einrichtungen der Kirchengemeinde weiter beschäftigt werden, weil dort nicht vor Ort gekocht werde.

Dazu heißt es im Schreiben an die Eltern: „Aber nach Abwägung aller Umstände erscheint uns das unternehmerische Risiko der dauerhaften Beschäftigung einer Köchin als zu hoch und damit nicht tragbar.“ Diese rein strategische Entscheidung sei im Kirchenvorstand mit großer Mehrheit getroffen worden.

An der Qualität des Essens jedenfalls habe es nicht gelegen, dass nun auf einen Caterer umgestellt werden soll. Bei der Wahl des künftigen Versorgers sei noch keine abschließende Entscheidung gefallen, erklärte Dörfer. Immerhin soll darauf geachtet werden, dass das Essen bio-zertifiziert ist.

Damit jedoch würde in Homberg eine Tradition zu Ende gehen, die bisher trotz aller Unwägbarkeiten sehr gut funktioniert hat.

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