Bundesbildungsministerin war am Kant-Gymnasium zu Gast

Heiligenhaus : Ministerin besucht Kant-Gymnasium

Anja Karliczek, Ressortchefin für Bildung und Forschung, ist überzeugt: „Die Schulzukunft ist nicht nur digital.“

„Unsere Aufgabe ist, den Roboter so zu programmieren, dass er das Level selbstständig abläuft.“ Eine Informatik-Doppelstunde hatten die Zehntklässler dafür Zeit. Was genau sie hier programmieren, das haben die Kant-Gymnasiasten gestern Anja Karliczek erklärt. Die Bundesministerin für Bildung und Forschung hat sich auf Einladung des Bundestagsabgeordneten und Parteikollegen Peter Beyer, der im Bundestag hinter ihr sitzt, das Heiligenhauser Gymnasium angeschaut und danach mit Schülern, Lehrern und Schulverantwortlichen über die Zukunft des Schulwesens diskutiert.

Klares Schwerpunktthema dabei: Der Digitalpakt. Fünf Milliarden Euro stellt der Bund in diesem Rahmen für den Ausbau der Schul-Infrastruktur zur Verfügung. Ziel sei ein selbstverständlicher Umgang mit der Technik im Alltag und Arbeitsleben. „Mit diesem Geld wollen wir die Länder unterstützen, in deren Aufgabenbereich ja die Schulen liegen, flächendeckende Standards einzuführen.“ Sinn könne der Digitalpakt aber nur in einem „Dreiklang“ ergeben: „Zur technischen Ausstattung selbst brauchen die Schulen vor Ort auch pädagogische Medienkonzepte, sowie eine Planung, wie die Lehrer fortgebildet werden können.“ Allein die Technik sei ihrer Meinung nach, jedoch keine Lösung. „Die Zukunft ist digital. Das bietet uns viele Chancen, birgt aber auch Risiken.“

In der Diskussionsrunde hatten vor allem die jungen Vertreter der Schulen Fragen an die Ministerin, wie zum Beispiel Claus Köster, Schulsprecher des Ratinger Carl Friedrich von Weizsäcker-Gymnasiums und Vertreter des Ratinger Jugendrates. Er wollte wissen, wie Medienkompetenz konkret gelehrt werden könne? „Indem man zum Beispiel lernt, dass Abschalten genauso wichtig ist, wie die Technik bedienen zu können.“ Das Verständnis für die digitale Welt sei wichtig, jedoch müsse der pädagogische Mehrwert, wie auch Kreativität und Empathie im Mittelpunkt stehen, denn Lernen bilde immer den ganzen Menschen – dafür brauche es einen guten Mix aus digitaler und analoger Lehre.

„Es muss nicht jeder programmieren können, aber wie das Programmieren grundsätzlich funktioniert, was Algorithmen sind und wie sie arbeiten, müssen Schüler wissen, um sich beispielweise vor Manipulationen zu schützen.“ So spricht die Ministerin auch über Fortschritte der Bildungs- oder auch der Neurowissenschaften, die es in die pädagogische Grundhaltung einzubringen gelte. „Im Vergleich mit anderen Ländern rutscht unser Bildungssystem in das Mittelfeld, andere holen auf. Dabei haben in Deutschland ausgebildete Menschen im Ausland einen guten Ruf.“

Im Gespräch mit den Kant-Gymnasiasten Tabitha Beyer und Felix Deuster betonte Karliczek, wie wichtig die pädagogische Ausbildung für Lehrkräfte bleiben müsse. „Digitale Ausstattung kann unterstützen, Künstliche Intelligenz zum Beispiel kann die Schüler auf unterschiedlichen Wissensständen dort abholen, wo sie stehen.“

Für Joachim Busch, Schulleiter des Wülfrather Gymnasiums, stellt sich auch noch eine ganz andere Frage: „Welche Folgekosten kommen auf die Schulen zu? Die Dynamik in der technischen Entwicklung ist enorm, was passiert, wenn die jetzt im Digitalpakt angeschaffte Technik veraltet?“ Darauf hat auch Karliczek keine eindeutige Antwort: „Was danach ist, muss man gucken. Schule bleibt im gut sortierten föderalen System weiterhin die originäre Aufgabe der Länder und der Kommunen.

Der Bund will jetzt an Stellschrauben drehen, das bietet den Ländern, die Möglichkeit, sich daran zu orientieren.“ Nötige Diskussionen müssten geführt werden, das System dürfe nun aber nicht ausgehöhlt werden, so dass der Bürger irgendwann nicht mehr wisse, wer zuständig ist. Karliczek betont: „Jede Schule und jede Kommune ist anders. Die Veränderungen müssen vor Ort stattfinden.“

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