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Bürger fordern, dass Meiersberg geschlossene Ortschaft wird

Wenn das Geschirr im Schrank klappert : „Tempo runter in Meiersberg“

Klirrendes Geschirr in den Schränken, Risse in Hauswänden und fast wöchentlich gefährliche Situationen auf der Meiersberger Straße – das ist Alltag der Bürger in Meiersberg. Damit soll jetzt Schluss sein.

Gläser im Schrank nicht zu dicht nebeneinander zu stellen, ist den Bürgern längst in Fleisch und Blut übergegangen. Dass Geschirr klirrt, Schränke wackeln und der Boden vibriert, ist an der Tagesordnung. Das Problem: Die Landstraße L 422, die Ratingen mit Mettmann verbindet, wird von zahlreichen schweren Lastwagen genutzt. Die halten sich nicht immer an das Tempolimit. Die Anwohner fordern deshalb, den Stadtteil als geschlossene Ortschaft auszuweisen. Das würde bedeuten: Tempo runter in Meiersberg.

Die Forderung der Anwohner ist nicht neu. Nachdem im Mai 2014 ein Gefahrgut-LKW in eine Haltestelle gefahren war, trommelten die Bürger mit Unterstützung der Homberger Grünen schon einmal für ihr Ziel. Der Antrag wurde seinerzeit abgelehnt mit der Begründung, die L 422 habe die Funktion, den überörtlichen Verkehr aufzunehmen und weiterzuleiten und diene als Autobahnzubringer zur Anschlussstelle Ratingen Ost.

 Im Mai 2014 fuhr ein Gefahrguttransporter auf der Meiersberger Straße in eine Haltestelle. Seitdem fordern die Anwohner Tempo 50.
Im Mai 2014 fuhr ein Gefahrguttransporter auf der Meiersberger Straße in eine Haltestelle. Seitdem fordern die Anwohner Tempo 50. Foto: Blazy, Achim (abz)

Sabrina Mohr und weitere Anwohner der Straße wollen das so nicht stehen lassen: „Erst kürzlich wurde ein kleines Mädchen auf einem Fahrrad angefahren“, führen sie an. „Jeder Anwohner hier kennt das Gefühl, wenn er in seine Einfahrt oder Straße abbiegt und die Angst vor heranschießenden Fahrzeugen im wahrsten Sinne im Nacken sitzt“, so die Anwohner. „Fast wöchentlich kommt es zu gefährlichen Situationen oder Beinahe-Unfällen“, schildert Sabrina Mohr. Besonders Abbiegevorgänge und das Queren der Straße, zum Beispiel, um die Bushaltestelle zu erreichen, werde regelrecht zum Abenteuer. Lastwagen würden sich an den abbiegenden Fahrzeugen vorbeiquetschen, Schulkinder fürchten den Weg über die Straße.

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Viele Jahre lang zwangen unzählige Schlaglöcher auf der Meiersberger Straße die Verkehrsteilnehmer dazu, die Geschwindigkeit zu reduzieren. „Seit die Straße jedoch neu asphaltiert wurde, hat sich die Lage für uns eher verschlimmbessert“, sagt Mohr. Kaum ein Auto- oder Lastwagenfahrer halte sich an Tempo 70, das hier gilt. Meist werde erheblich schneller gefahren.

Bei den unmittelbaren Anrainern sorgt das für „kleine Erdbeben“, schildern die Bürger. „In vielen Häusern bilden sich durch die Erschütterungen Risse“, so die Anwohner. Diese treten sogar Neubauten auf, die nicht einmal fünf Jahre alt sind. Eine Familie ließ erst vor einem dreiviertel Jahr die Risse in der Fassade ausbessern. Inzwischen bilden sich neue Beschädigungen. Die Bewohner fürchten deshalb mittel- bis langfristig um die Statik ihrer Häuser. „Wir haben sicherlich als direkte Anwohner der Meiersberger Straße mit Verkehr und Lärm zu rechnen“, räumt Mohr ein. Eine Temporeduzierung, besonders für die schweren Fahrzeuge, würde jedoch ein deutliches Plus an Sicherheit und Ruhe mit sich bringen.

Aus der einstigen losen Ansammlung von Höfen entlang der Straße sei längst ein veritabler Stadtteil geworden, finden die Bürger. „Hier wohnen mittlerweile fast 30 Familien, die meisten mit Kindern“, so die Bürger. Weitere Mehrfamilienhäuser seien im Bau beziehungsweise in Planung, sodass der Ortsteil weiter wachse. Grund genug, Meiersberg zu einer geschlossenen Ortschaft zu erklären, finden sie.

Mit einem Schreiben wandten sie sich an die Landtagsabgeordneten, den Landrat Thomas Hendele, Bürgermeister Klaus Pesch sowie an die Beigeordnete Petra Cremer. Tatsächlich gab es Antworten: „Nina Eumann von den Linken wollte das Thema aufnehmen“, berichtet Mohr. Nachdem die Linken bei der Landtagswahl an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert sind, ist von dort kaum Unterstützung zu erwarten.

Hoffnung setzen die Bürger aber in den Landrat und die Fraktion der Grünen. „Der Landrat teilte uns mit, er habe unser Anliegen mit der Bitte um Prüfung und Stellungnahme an die zuständige Straßenbehörde und das Verkehrskommissariat weitergeleitet“, so Mohr. Die Grünen haben einen Antrag formuliert, indem sie die Verwaltung auffordern, zu prüfen, ob Meiersberg als geschlossene Ortschaft ausgewiesen werden kann. Der Antrag soll im nächsten Bezirksausschuss am 8. Juni auf den Tisch kommen.

Die Bürger verweisen bei ihrem Anliegen auf Hofermühle. Ebenfalls eine Zufahrt zur Autobahn, ist der Stadtteil als geschlossene Ortschaft ausgewiesen, das Tempo sogar auf 30 reduziert. Festinstallierte Blitzer sorgen für die Einhaltung des Tempolimits. Ähnlich sieht es im Mettmanner Stadtteil Obschwarzbach aus, der ebenfalls an der L 422 liegt. Auch hier gilt, bedingt durch die geschlossene Ortschaft, Tempo 50. Auch hier steht ein festinstallierter Blitzer.

„Scheinbar ist Meiersberg in den Köpfen der Verantwortlichen immer noch nur eine lose Ansammlung von Bauernhöfen und vereinzelten Häusern“, vermuten die Anwohner. Sie laden die politischen Akteure deshalb, nach Meiersberg zu kommen und sich persönlich ein Bild von der Situation zu machen.