Ratingen: Beyer: Es war ein Trauerspiel

Ratingen : Beyer: Es war ein Trauerspiel

Bundespräsidenten-Wahl: Peter Beyer, der CDU-Bundestagsabgeordnete für Ratingen und Heiligenhaus, übte herbe Kritik am inneren Zustand der Koalition: "Konnten Wulff nicht geschlossen durchbringen."

Abseits üblicher Verlautbarungen fand Peter Beyer, der CDU-Bundestagsabgeordnete für Ratingen und Heiligenhaus, nach dem Wahlmarathon deutliche Worte. "Es war eine herbe Enttäuschung für unsere Fraktion", betonte er und fügte mit Blick auf den Tag in der Bundesversammlung an, dass es ein Trauerspiel gewesen sei.

Beyer wirkte im RP-Gespräch ziemlich zerknirscht. Dass es Christian Wulff letztlich im dritten Wahlgang mit dem Erreichen der absoluten Mehrheit doch geschafft habe, sei zwar sehr erfreulich, befand das Mitglied des Auswärtigen Ausschusses. "Ich war aber davon ausgegangen, dass Wulff nach dem ersten Wahlgang bereits Bundespräsident sein wird", betonte Beyer, "das wäre das gewünschte Signal der Geschlossenheit gewesen. Es gab eigentlich keine Anzeichen dafür, dass Wulff im ersten Wahlgang scheitern könnte."

Doch es kam anders. Es gab zahlreiche Abweichler. Eine Klatsche für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Koalition insgesamt? Beyer ist sicher: "Die Koalition wankt nicht." Vor allem in den Reihen der FDP herrsche große Unruhe. Und es habe während der Wahlgänge sogar das Gerücht gegeben, dass man Guido Westerwelle, den Parteivorsitzenden, stürzen wolle. Beyer stellte klar: "Insgesamt haben wir es als Koalition nicht hinbekommen, unseren Kandidaten Christian Wulff geschlossen durchzubringen. Das ist ein ganz schlechtes Signal an die Menschen im Land."

Was nun? Beyer will die Dinge, die sich in diesen historischen Stunden ereignet haben, erst einmal sacken lassen. Merkel, CSU-Chef Horst Seehofer und Unions-Fraktionschef Volker Kauder hätten nach dem zweiten Wahlgang intern "deutliche und überzeugende" Worte gefunden, urteilte Beyer, der zusammen mit seiner Ehefrau am heutigen Freitag das Sommerfest des Bundespräsidenten besuchen wird. Noch vor der nahenden Sommerpause müsse man die mangelnde Geschlossenheit innerhalb der Koalition grundlegend aufarbeiten. "Uns bleibt allerdings nicht viel Zeit", so Beyer.

Der Ratinger CDU-Landtagsabgeordnete Dr. Wilhelm Droste, Mitglied der Bundesversammlung, ging in seiner Analyse vor allem auf die Person Christian Wulff ein: "Er vereint charakterliche Integrität mit großer politischer Erfahrung, die er sich als erfolgreicher niedersächsischer Ministerpräsident erworben hat." Ungeachtet der Parteizugehörigkeit genieße Wulff — wie auch Joachim Gauck (Kandidat von SPD und Grünen) — ein hohes Ansehen in der Bevölkerung. Der Chef der Kreis-CDU verwies zudem darauf, dass eine Vielzahl von Bundespräsidenten — etwa Richard von Weizsäcker und Johannes Rau — vor ihrer Amtsübernahme Parteipolitiker gewesen seien, ohne dass es Zweifel an deren Unabhängigkeit gegeben habe.

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(RP)