Ratingen: Beschäftigungsbörse muss schließen

Ratingen: Beschäftigungsbörse muss schließen

Hedwig Stinshoff und ihre Kollegen finden keine Nachfolger, die das Projekt an St. Peter und Paul weiterführen.

Ein Raum, ein Tisch, ein Telefon - mehr nicht: Diese äußerst schlichte Grundausstattung mutet in virtuellen Zeiten sehr antiquiert an. Doch Hedwig Stinshoff und ihre beiden Mitstreiter Gerhard Oermann und Rosemarie Krupop haben in all den Jahren ihres Wirkens nichts an diesem spärlichen Interieur verändert.

Auch bis zum Ende des Jahres 2017 hieß es: ein Raum, ein Tisch, ein Telefon. Nun ist Schluss mit der ehrenamtlichen Arbeit, die in der Stadt ein wichtiges Kapitel im sozialen Bereich geprägt hat.

Vor 23 Jahren gründete das Trio offiziell die sogenannte Beschäftigungsbörse in den Räumen von St. Peter und Paul. Es ging vor allem darum, Menschen, die keine Arbeit hatten, wieder eine Perspektive zu geben, sie in ein Netz aus Kontakten und persönlicher Fürsorge einzubinden.

Der Vorlauf zur Gründung der Beschäftigungsbörse dauerte zwei Jahre. Nimmt man also alles zusammen, so gab es dieses Engagement insgesamt 25 Jahre lang. Stinshoff, die seit vielen Jahren in der Stadt bestens vernetzt ist und auch die Kontakte ihres verstorbenen Ehemannes Otto Werner Stinshoff (Ehrenvorsitzender des Eifelvereins) intensiv zu nutzen verstand, betonte im RP-Gespräch: "Das Wort Beschäftigungsbörse umreißt die Möglichkeiten des Projektes. Nicht Arbeit, sondern Beschäftigung wird vermittelt."

Die Palette der Tätigkeiten war vielfältig und bunt: Hilfe bei der Hausarbeit, beim Hausputz, beim Kelleraufräumen, Fahrten zum Arzt oder zum Großeinkauf, die Gräber auf dem Friedhof versorgen, kleine Umzüge und Entrümpelungen.

Stinshoff und ihr kleines Team haben in all den Jahren mehr als 4200 Vermittlungen hinbekommen. "Es war aber auch ein Stück Seelsorge dabei, weil wir uns der Probleme der Menschen, die eine Perspektive suchen, im persönlichen Gespräch angenommen haben", erzählte sie.

1996 brachte Stinshoff zudem die Hospizbewegung auf den Weg - daraus wurde ein Verein, der heute sehr breit aufgestellt ist und in der Stadt eine wichtige Funktion einnimmt. Zum 20-jährigen Bestehen der Hospizbewegung meinte sie: "Wir wollten das Sterben wieder ins Leben holen und einsames Sterben verhindern."

Koordinatorin Martina Rubarth betonte: "Wir wissen, dass ungelebte Trauer krank macht und am Lebensende sich oft durch unbestimmte Ängste äußern kann, deshalb begleiten wir schon die Kinder, die beispielsweise um ihre Großeltern trauern." Doch zurück zur Beschäftigungsbörse: Bereits vor zwei Jahren habe man sich mit dem Gedanken getragen, diese Börse, die zum Beispiel in Zusammenarbeit mit der Stadt Ein-Euro-Jobs angeboten hat, in jüngere Hände zu geben, erklärte Stinshoff. Doch letztlich fehlten die Personen, die sich konsequent mit den Anforderungen dieser Aufgaben beschäftigen wollten. "Es reicht nicht, nur zwei Stunden in der Woche mitzuarbeiten", betonte sie. Seit dem vergangenen Jahresende ist also Schluss. Eine Idee für ein neues Projekt hat sie bereits: Es geht um Menschen mit Assistenzbedarf, Menschen, die begleitet werden müssen. Nun sucht sie ein Team. Bisher vergeblich.

(RP)