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Berufungsverhandlung vor dem Landgericht

Heiligenhaus : Berufungsverhandlung wegen sexueller Nötigung

Der 26-jährige Angeklagte soll seine Ex-Freundin zudem verletzt und gewürgt haben.

Wegen sexueller Nötigung und Körperverletzung hat sich ein 26-Jähriger vor dem Wuppertaler Landgericht zu verantworten. Das Amtsgericht hatte ihn zu einem Jahr und sechs Monaten Freiheitsentzug verurteilt, dagegen hatte der Angeklagte Berufung eingelegt. Auch die Staatsanwaltschaft war in Berufung gegangen, dort hatte man das Urteil als zu milde angesehen.

Was war passiert in der Wohnung seiner Exfreundin in Heiligenhaus, die der Mann im Februar 2017 aufgesucht haben soll, um dort noch Sachen abzuholen? Glaubt man dem Angeklagten, war da außer einem netten Abend und freundlichen Plaudereien eigentlich gar nichts. Zumindest bis zu dem Augenblick, als die mittlerweile 23-Jährige auf seinem Handy diverse Chat-Kontakte gefunden haben und wutentbrannt die Badezimmertüre zugeschlagen haben soll.

Dass er bei ihr übernachten würde, hätten beide zuvor besprochen gehabt. Ein bisschen Kuscheln, mehr sei da nicht gewesen. Er sei dann eingeschlafen und von der knallenden Türe aufgewacht. Seine Ex-Freundin habe sich auf ihn gesetzt und ihn geschlagen und gekratzt, er habe sich aus dieser Lage befreien müssen. Danach sei er zur Wohnungstüre gelaufen, seine ihm dort den Fluchtweg versperrende Freundin habe er beiseite gestoßen. „Ich wollte einfach nur noch raus“, so der Angeklagte.

Im Hausflur angekommen, habe er sich angezogen, um von dort aus die Polizei zu rufen. In besagter Nacht war in der Notrufzentrale nahezu zeitgleich noch ein weiterer Anruf eingegangen. Ein Nachbar der jungen Frau hatte aus deren Wohnung Schreie gehört und die Polizei alarmiert.

Auf die Abläufe, wie sie dort von der 23-Jährigen geschildert worden waren, stützen sich nun auch die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. Demnach soll der Angeklagte ausgerastet sein, als er erfahren habe, dass es im Leben seiner Ex-Freundin bereits einen neuen Partner geben soll. Er soll ihr Handy genommen und auf den Boden geworfen haben, damit sie nicht mehr telefonieren könne. Seine Ex-Freundin soll er – auf dem Bett liegend – gewürgt haben, um ihr dazu noch mit einem Kissen die Luft abzudrücken. Dazu soll er sie auch noch in eine Glastür geschubst haben, um ihr später in den Genitalbereich zu fassen und sie mit den Worten zu beleidigen: „Na, gefällt Dir das, du Schlampe?“

Als sie ihn habe zur Türe bringen wollen, soll er sie erneut am Hals gewürgt haben. „Ich habe gedacht, ich sterbe“, erinnerte sich die Zeugin unter Tränen. Der Verteidiger des Angeklagten zeigte sich irritiert vom emotional aufgelösten Zustand der Zeugin, die er beim Amtsgericht noch taff und willensstark erlebt haben will. Der Prozess wird fortgesetzt, es sollen noch weitere Zeugen gehört werden.