Ratingen Baustelle schwächt den Handel

Ratingen · Im Umfeld des Stadttores klagen Händler über Umsatzrückgänge. Isabelle Klampfl vom Geschäft "uni-quorn" gibt auf. Seit einem Jahr bleiben Kunden aus. Auch die neue Parkregelung und der Branchenmix seien verantwortlich.

 Genervt und frustiert: Isabelle Klampfl (vor ihrem Laden "uni-quorn") schaut auf die riesige Baustelle. Zum 31. Dezember schließt sie ihr Geschäft an der Wallstraße.

Genervt und frustiert: Isabelle Klampfl (vor ihrem Laden "uni-quorn") schaut auf die riesige Baustelle. Zum 31. Dezember schließt sie ihr Geschäft an der Wallstraße.

Foto: Achim Blazy

Den sechsten Jahrestag ihres Mode-Geschäftes "uni-quorn" wird Isabell Klampfle (30) nicht mehr erleben. Der wäre im März kommenden Jahres. Doch zum 31. Dezember gibt sie auf. "Wir haben ein Jahr lang gekämpft, doch jetzt geht es nicht mehr", sagte Klampfl gestern. Die Gründe seien vielfältig, doch jetzt gebe ihr die Baustelle des Stadttores genau gegenüber den Rest. Dazu kämen die neue Parkgebührenregelung und die Werbesatzung.

Für die Generation ab 40

Mit "Nickligkeiten" der Stadtverwaltung habe es vor über fünf Jahren alles begonnen: Das Rot des schlichten Logos habe nicht ins RAL-Farbenmuster der Stadt gepasst. Auch mit albernem Hinweis auf die nahe Ampel habe sie den Farbton leicht ändern müssen. Aber das sei nichts gewesen zu dem, was sie seit Längerem erleben musste.

Als der Textiler im Kaufhaus Aufterbeck vor einem jahr schloss, seien die Kunden weggeblieben: "Das Angebot in der Stadt wird immer einseitiger. Immer mehr Goldläden. Das lockt niemanden mehr an", sagte sie. In Ratingen gebe es fast nur Textilangebote für die Generation ab 40. Sie selbst hat mit den Marken Juck & Jones und Only die 15- bis 25-Jährigen im Blick, aber auch sportliche ältere Kunden. Doch so ein Angebot erwarteten Kunden schon gar nicht mehr in Ratingen. Der Branchenmix in der Stadt stimme schon lange nicht mehr.

Im Unfeld der Baustelle hoffen die vom Lärm und Dreck geplagten Einzelhändler auf den neuen Frequenzbringer im Stadttor (unter anderem C&A). "So lange halte ich nicht mehr durch. Ich sehe keine Perspektive mehr", sagte Klampfl. Die Entscheidung sei ganz frisch, soeben wurde der Vermieter informiert. Anfangs sei die Baustelle noch ein Spektakel wegen des Abrisses gewesen. Doch nun gebe es nur noch ein Loch. Die neue Park-Regelung sorge auch dafür, dass die Leute nicht mehr durch die Stadt bummelten: Früher waren es zwei Stunden, jetzt kann man nur noch eine Stunde gratis parken, auf den übrigen Parkplätzen wurden Gebühren verdoppelt. Seitdem sind die Plätze leer.

Von der Stadt fühlt sie sich im Stich gelassen: "Die verkaufsoffenen Sonntage sind schlecht organisiert und fallen zusammen mit Aktionen in anderen Städten." Was sie besonders vermisst: Es rede niemand mit den Händlern, die Werbesatzung sei ohne die Geschäftsleute gemacht worden. Die Kunden, die früher wegen des Charmes des Städtchens gekommen seien, äußerten sich zunehmend kritisch. So etwas würde man gerne mal weitergeben, sagte Klampfl. Sie will sich jetzt um einen Job bemühen.

Auch andere Händler im Umfeld der Baustelle klagen über Umsatzrückgänge. Sie sollen seit längerer Zeit über zehn Prozent betragen, hört man beispielsweise in der Bechemer Straße.

Die Interessengemeinschaft Ratinger Einzelhändler bemüht sich derzeit beim Bauherren um die Erstattung der Reinigungskosten: Seitdem die Bagger wüten, ist im weiteren Umfeld alles verdreckt.

(RP/rl)