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Heiligenhaus: Bauarbeiten stoppen die grüne Welle

Heiligenhaus : Bauarbeiten stoppen die grüne Welle

Täglich staut sich der Verkehr auf der Westfalenstraße, weil die Hauptstraße gesperrt ist. Ampeln helfen nur bedingt.

Michael Krahl, Tiefbauchef der Stadt, kann den täglichen Berufsverkehr beinahe auf die Minute vorhersagen: "Morgens 7.45 bis 8.15 Uhr und nachmittags, 16.15 bis 16.45 Uhr" – das seien die neuralgischen Zeiten. Bis vor einiger Zeit wären solche handgestoppten Zeitintervalle angesichts einer dauerverstopften Hauptstraße Grund zum Jubeln gewesen. Stattdessen hat sich der Pendler-Frust derzeit gerade mal hinters Rathaus verlagert – auf die Westfalenstraße. "Besonders in den ersten Tagen nach dem Stadtfest Anfang Juni bemerkte man, wie die Leute ihre täglichen Wege mit dem Auto in die Stadt neu sortierten", so Krahl. Denn seither ist die Hauptstraße ab Jahnstraße gesperrt.

Ein Wunder ist die aktuelle Verkehrslage für den Verkehrsexperten also nicht. "Man muss sich in Erinnerung rufen: Die Westfalenstraße ist so konzipiert, dass sie 50 Prozent des Verkehrs der alten Hauptstraße aufnehmen soll. Derzeit ist es so, dass praktisch der komplette Durchgangsverkehr zwischen Abtskücher Straße und Kurze Straße über die Westfalenstraße abfließt. Also trägt sie nicht die halbe, sondern die volle Last." Und das seit dem Ende des Stadtfests. Die Hauptstraße ist ab Jahnstraße wegen Umbauarbeiten gesperrt – dort geht gar nichts mehr.

Krahl sieht die aktuelle Situation aber nicht als Vorgeschmack auf die Zeit ab 2014, wenn die komplett verkehrsberuhigte Hauptstraße definitiv keine Verkehrsschlagader der Stadt mehr sein wird. Die Lage wird sich wieder entspannen, weil Teile des Verkehrs wieder über die Hauptstraße fließen werden", sagt Krahl mit Blick auf die Bushaltestellen-Situation. "Zurzeit ist es so, dass die provisorische Bushaltestelle hinter dem Rathaus an der Westfalenstraße liegt. Das hat Folgen: Viel mehr Leute als sonst überqueren die Westfalenstraße an der Fußgängerampel. Richtung Innenstadt. Logisch, dass Autos dann eben warten müssen."

Eine weitere Folge des Hauptstraßen-Umbaus: Wegen der Sperrung der Hauptstraße muss der Bürgerbus, wie alle anderen Busse auch, die Umleitung über die Westfalenstraße fahren. Durch das hohe Verkehrsaufkommen auf der Westfalenstraße und Rückstaus an den Ampeln kann der eng gestrickte Fahrplan des Bürgerbusses nur eingehalten werden, wenn die "Runde" über den Südring zum Anfahren der Haltestelle "In der Blume/Stadtmitte" weggelassen wird. "Der Bürgerbusverein und seine ehrenamtlichen Fahrerinnen und Fahrer bitten hierfür um Verständnis", meldet Peter Parnow für den Verein auf der Facebook-Seite ("Wir in Heiligenhaus"). Michael Krahl will es allerdings nicht bei Zustandsbeschreibung und abwarten belassen. "Ich möchte die Belastung der Westfalenstraße nicht kleinreden – auch wenn uns andere Städte in der Region um Berufsverkehrsprobleme in diesem Umfang geradezu beneiden würden." Man sei dabei, die Software der Ampelschaltungen so zu ändern, dass ein Maximum der angepeilten "Grünen Welle" auch erhalten bleibe. "Ein Allheilmittel ist das aber nicht", betont der Tiefbauchef. So sei der Querverkehr in Nord-Süd-Richtung über die Bahnhofstraße ein Auslöser der Staus auf der Westfalenstraße. Das sei mittels modifizierter Ampelschaltungen nicht zu korrigieren. "Und man muss Folgendes sehen. Wir wollen kein Autodorf mehr sein, sondern es wird auf Sicht viele gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer geben, Radfahrer, Fußgänger und eben Autofahrer. Sie alle fordern ihr Recht auf zügiges Fortkommen in der Stadt."

(RP/rl)