1. NRW
  2. Städte
  3. Ratingen

Lintorf: Baby in Not - Eltern lernen Erste Hilfe

Lintorf : Baby in Not - Eltern lernen Erste Hilfe

Trainerin Daniela Kühl gab im ersten Ratinger Eltern-Kind-Café wichtige praktische Informationen.

Beherzt legte Stefanie Helbig Fridolin übers Knie, sein Kopf liegt tiefer als der Po. Sie klopft ihm fünfmal mit der flachen Hand kräftig auf den oberen Rücken. Anschließend richtete sie ihn wieder auf und lehnte seinen Rücken an ihr Bein. Mit einer Faust drückte sie mit einer leichten Hebelbewegung nach oben auf seinen Bauch, genau zwischen Bauchnabel und Plexus, wieder fünf Mal. Zum Glück ist Fridolin nicht ihr echter Sohn, sondern nur eine Puppe mit der Größe eines Zweijährigen, die ein wichtiges Requisit bei Kursen von Daniela Kühl ist.

Durch praktische Übungen an dieser Puppe lernten Helbig und sieben weitere Kursteilnehmer, wie man seinem Sprössling helfen kann, wenn er oder sie beispielsweise einen Legostein verschluckt hat oder wenn das abgebissene Stück Möhre doch zu groß war und im Hals steckenblieb. Helbig war vor gar nicht allzu langer Zeit in einer ähnlichen Situation gewesen und hatte ihrem 15 Monate alten Sohn auf den Rücken geklopft, bis der Fremdkörper wieder zum Vorschein kam. "Als Mutter handelt man oft instinktiv, aber wirklich sicher war ich mir nicht. Darum habe ich mich für diesen Kurs hier angemeldet, gerade um diese Sicherheit zu gewinnen", sagte die Mutter. Sie lauschte daher gespannt den Ausführungen der Dozentin, bevor sie selber zur Tat schritt und an Fridolin den Ernstfall simulierte. Schnell stellte sie fest, dass das Gelernte viel besser hängen bleibt, wenn man es selber praktisch anwendet.

  • Der Mietvertrag ist unterschrieben, die ersten
    Freizeit in Nettetal : Das wird Nettetals ungewöhnlichstes Café
  • Für viele Bereiche ist längst kein
    Ratingen : Erste Schnelltestzentren schließen
  • Autorin Magdalena Jundt (83), hier zu
    Lintorferin schreibt Buch : Eine bewegende Familien-Geschichte

"Viele Dinge werden heutzutage per 'E-Learning' vermittelt, das heißt, man schaut sich Videos im Internet an oder das Wissen wird per Fernstudium vermittelt. Das ist aber in der Praxis nicht immer effizient. Bei manchen Themen reicht einfaches Zuschauen nicht, da ist 'learning by doing' angesagt. Darum wird hier auch praktisch alles geübt", erklärte Kühl. Sie ist Fachschwester für Pädiatrie, Intensivmedizin und Nephrologie sowie Fachdozentin für Kindeswohlgefährdung. Welche Themen sie in ihren etwa zweistündigen Kursen anspricht und übt, wird bei jedem Kurs individuell abgesprochen.

Kursteilnehmer Mark Bendes hat zum Beispiel eine kleine Tochter, die gerne überall und möglichst hoch klettert. "Eigentlich bin völlig relaxed, wenn ich ihr dabei zuschaue. Aber trotzdem möchte ich Sicherheit gewinnen und wissen, wie ich im Falle eines Falles richtig reagieren, wenn sie doch einmal vom Klettergerüst fällt", sagte der Papa. Die anderen Teilnehmer nickten zustimmend. Aber auch Fieberkrämpfe, Kruppanfälle oder Situationen, wenn die genaschten roten Beeren vom Strauch sich als giftig herausstellten oder Omas Tabletten für kleine Bonbons gehalten werden, werden bei Bedarf behandelt. Dabei geht es aber bei keinem der Themen darum, den Gang zum Mediziner oder die Alarmierung des Notarztes zu ersetzen, sondern die Ruhe zu bewahren und nicht in Panik zu geraten, wenn die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungswagens zu einer gefühlten Ewigkeit wird, während man das leidende Kind sieht. Es ist wichtig zu wissen, was man als Erstmaßnahme machen kann und Sicherheit bei diesem Handeln zu gewinnen. Denn man kann immer etwas tun, egal, was passiert ist. Schaut man nur hilflos und untätig zu, macht man sich ein Leben lang Vorwürfe, wenn es zu schlimmen Folgeschäden kommt.

Mit dem Café Luttinchen wurde ein idealer Veranstaltungsort gefunden, denn hier trifft genau die richtige Zielgruppe zusammen. Seit vielen Jahren schon treffen sich hier Eltern, Mamas wie Papas, um sich bei einem leckeren Kaffee und einem Snack in Ruhe untereinander auszutauschen, während die Kleinen vergnügt spielen können. Seit Januar 2018 führen die beiden Mütter Ulrike Bischopink und Natalie Dörr liebevoll das Eltern-Kind-Café in Lintorf und haben noch viele weitere Ideen für tolle Veranstaltungen für ihre kleinen und großen Gäste, wie beispielsweise Themennachmittage für Eltern von Kindern mit Handicap, Feiern zu den verschiedensten Anlässen oder die beliebten Kindersachenbörsen.

(mvk)