Ausstellung im Museum Ratingen

Künstler aus dem Kreis stellen aus: Guck mal, was die können!

Was in den Ateliers der Region so alles entsteht, können Besucher noch bis zum 25. November bei der „Neanderland Art“ im Museum Ratingen entdecken. Die Schau ist gut sortiert und vielfältig.

Ganz schön dick aufgetragen, und zwar Spachtelmasse, Marmormehl, Tusche, Pigmente und Acrylfarben hat Uschi Gehrling (Langenfeld) für ihre beiden Arbeiten mit dem Titel „Weltmeere“. Deren Bedeutung für den Menschen kann man aber auch nicht deutlich genug unterstreichen. Krustig, kantig und bröselig tost und schäumt und kreiselt das lebenswichtige Element auf der Leinwand. Die zweiteilige Arbeit wurde auch von der Jury der Ausstellung „Neanderland Art 2018“, die einmal Kreiskunstausstellung hieß, für so gut befunden, dass sie nun im Museum Ratingen zu sehen ist.

31 Künstler, die im Kreis Mettmann leben oder einen engen Bezug zum ihm haben, sind vertreten, und die Jury hat Wert auf Vielfalt gelegt. Zu sehen gibt es nicht nur klassische Malerei und Zeichnungen, sondern auch eine Reihe ausgefallener Objekte. Da verblüfft zum Beispiel eine gigantische Strickerei aus Kassettenbändern von Roswitha Bohmann (Erkrath), unterlegt mit farbiger Wolle. „Datenloch“ heißt die Fleißarbeit, inspiriert womöglich von Strickkünstlerin Rosemarie Trockel. Klasté alias Klaus Stecher aus Wülfrath beschäftigt sich in einer humorvollen Papiercollage mit fiktiven Figuren aus Rembrandts berühmter „Nachtwache“ und bei Ute Augustin-Kaisers schwarz-weißer „Strukturstudie“ ist es, als versenke man sich meditativ in das Innere eines Schwamms, tiefer und tiefer.

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Wie gut, dass nicht weit entfernt der pastellige Zyklus „Das Licht strahlt“ von Irmgard Hamacher (Erkrath) leuchtet und bestens mit dem gegenüber platzierten dunkelblaustichigen „Entwurf für einen Innenraum“ von Jörg Kratz aus Haan kontrastiert. Es gibt Verstörendes, wie die Flugzeugbox mit Bonsaibaum und Wassertropf von Susanne Nahrath (Ratingen), die den Betrachter mit einem Shakespeare-Zitat an Flüchtlingselend erinnert: „Nur düstern Frieden bringt uns dieser Morgen“. Und es gibt Versöhnliches wie die landschaftsschönheitstrunkene Ölmalerei von Eva Koch und Tessa Ziemßen (beide Ratingen).

Daneben fällt ein überdimensionaler, aus Altpapier gefalteter Fingerhut von Monika Wellnitz aus Velbert ins Auge. Man kann nur erahnen, wie viele Arbeitsstunden in diesem Stück stecken, das sich ansehnlich in die Tradition der „Arte Povera“ fügt, die aus Abfall Kunst macht. Neugierig geworden? Die Ausstellung ist noch bis zum 25. November dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr im Museum Ratingen, Grabenstraße 21, zu sehen.

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