Hösel: Aus der Geschichte von Seglern und Jachten

Hösel: Aus der Geschichte von Seglern und Jachten

Der gelernte Schiffbauer Hans Meyer schreibt als gefragter Experte Bücher über die Schiffe aus der Howaldtswerft.

Nicht jeder bekommt leuchtende Augen, wenn er vom Bau zweier Flüssigerdgastanker spricht - die meisten Zeitgenossen werden nicht einmal wissen, dass es solche Tanker gibt und wie sie aussehen. Bei Hans Meyer ist das ganz anders. Der jetzt 73-Jährige hat nämlich nach einer Lehre als Schiffbauer, dem Wehrdienst bei der Marine und einem Schiffbaustudium in Bremen 13 Jahre bei den Kieler Howaldtswerken, beziehungsweise des zu Howaldtswerke/Deutsche Werft fusionierten Unternehmens, als Schiffbauingenieur in der Projektabteilung gearbeitet.

Für den griechischen Tanker-König Onassis baute die Howaldtswerft eine ehemalige Fregatte zur Luxusjacht "Christina" um. Im Salon (Bild) ließ er es sich mit Ehefrau Christina gutgehen. Foto: Archiv Hans Meyer

Und die Flüssigerdgastanker waren das letzte große Projekt, das er begleitete, bevor er 1979 zum Gasversorger Ruhrgas nach Essen wechselte und nach Hösel zog. Es war damals noch die Zeit, als häufiger in flüssiger Form als durch Pipelines die Strecke zwischen Erzeuger und Kunden zurücklegte. Bis heute gab es bei 70 000 Schiffsladungen keinen Unfall, erklärt Meyer stolz. Es versteht sich fast von selbst, dass er seit 1967 aktiver Segler ist, dass er – ganz privat für sich und seine Frau – nacheinander selber vier Segelschiffe gebaut hat (die immer "Lütt Deern" hießen), damit vornehmlich auf der Ostsee unterwegs war und jetzt, wo es aus Altersgründen nicht mehr gemeinsam klappt, den alten Zeiten schon nachtrauert. Aber die Meyers wollten eben nicht solo segeln.

Die Howaldtswerft aus der Luft: Sie beherrscht die Kieler Förde. Foto: NN

Als Kind vom Bauernhof war es nicht das Gängigste, irgendwas "mit Schiffen" zu machen. Erst einmal hat er sich schon damals um Schiffsdaten gekümmert, und zwar begeisterter als um die Schule. Also ging es dort in Scheibchen weiter, bis letztlich Lehre und Studium, beides abgeschlossen, den persönlichen Interessen eine beruflich vorzeigbare Struktur verliehen. Hans Meyer verfolgte die Historie der Schiffe, las sich in die wirtschaftlichen und politischen Zusammenhänge ein, zeichnete für seine Sammlung die Seitenrisse von rund 8000 Schiffen. Die waren zum größten Teil in Deutschland gebaut worden, gehörten deutschen Reedern, wurden aber ergänzt von technisch interessanten Schiffen ausländischer Eigner.

Die "Passat", einer der letzten großen Windjammer, liegt in Travemünde. Auch dieses Schiff wurde in Kiel gebaut. Foto: NN

Die zugrundeliegenden Daten stammten aus Werftunterlagen, aus Veröffentlichungen in Fachzeitschriften, Schiffsregistern, den Marine News der World Ship Society und dem Internet. Nun ist es nicht so, dass große Unternehmen wie die Howaldtswerke darauf verzichten würden, zum Beispiel anlässlich von Jubiläen passende Bücher mit einer Bilanz ihrer Leistungsfähigkeit zu erstellen.

Doch auch angesichts von zwei dickleibigen Veröffentlichungen war Meyer nicht zufrieden – für ihn galt die Vielseitigkeit der Schiffbautätigkeit als keinesfalls erschöpfend dargestellt. Und er bekam den Zuschlag, mit weiteren Wälzern die Wissenslücke zu schließen. Drei Bücher sollten es schon sein; eins ist bereits fertig, heißt "Vom Fischdampfer zum Großtanker und Marineschiff"; die beiden nächsten sollen im Frühjahr 2014 und im Jahr 2015 herausgegeben werden. Geplant ist, jeweils für etwa ein Jahrzehnt einen kurzen allgemeinen Text über die in dem jeweiligen Zeitraum gebauten Schiffe zu verfassen und anschließend die Schiffe mit einer Skizze, Foto, technischen Daten und dem Lebenslauf vorzustellen. Aufgenommen werden sollen auch Großumbauten. Zu erfassen sind etwa 650 Schiffe, davon etwa 300 aus der Zeit der Kieler Howaldtswerke AG und etwa 350 Schiffe aus der darauf folgenden Zeit der Howaldtswerke-Deutsche Werft AG und des Stahlbaus. Ob nun Fischtrawler oder Gastanker – Meyer kennt sie alle.

Eine gewisse Begeisterung erfasst aber auch ihn, den Ingenieur, als er von Aristoteles Onassis erzählt, der Weihnachten 1949 20 Korvetten kaufte, die zur Geleitzugsicherung und U-Boot-Abwehr der Britischen Navy gedient hatten und nach dem Krieg in Deutschland in gut zehn Monaten zur Walfang-Flotte umgebaut und dann von Onassis vermietet wurden. Die Howaldtswerke hatten allerdings auch die ehrenvollen Aufträge, kriegerische Fregatten zu feschen Schiffen umzubauen, die dann immer "Christina", den Namen der Onassis-Ehefrau erhielten und vielen schönen Damen Platz boten.

(gaha)
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