Aule Schmet Heiligenhaus

Ein Wirt hat Grund zum Feiern: Kult-Kneipe feiert ihren Kult-Wirt

30 Jahre „Aule Schmet“: Manfred Passenheim bleibt in den Fußspuren des legendären Gründers Heinz-Peter Rauxloh.

Das urige doppelstockige Schiefergebäude mit Rundbogenfenstern an der Hauptstraße in Heiligenhaus hat schon eine bewegte Geschichte. Sammlerstücke an Decke und Wänden sowie Bilder zeugen noch heute davon im gemütlichen Gastraum der Kult-Kneipe, die es seit inzwischen 30 Jahren ist.

Am 1. August 1988 verwirklichten Heinz-Peter Rauxloh und seine Tochter Kerstin, heute Passenheim, sich dort ihren Wunschtraum. „Bums“, wie der Wirt in Lederweste und Mütze gerufen wurde, hatte zuvor ein Kaminstudio in den Räumlichkeiten der ehemaligen Schmiede des Familienunternehmens Strenger betrieben.

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Die „Aule Schmet“ wurde schnell zum Treffpunkt für die Heiligenhauser, die dort ihr Feierabendbier genossen und sich über Politik und Gesellschaft austauschten. 2002 übernahm Tochter Kerstin die Kneipe, fünf Jahre später kam Ehemann „Manni“, Manfred Passenheim“, mit hinzu. Er war es auch, der im Laufe der Zeit aus dem Gesellschaftraum im Obergeschoss eine kleine Küche machte. „Ich wollte einfach etwas mehr anbieten als nur kalte Frikadellen“, sagt der Endfünfziger, der zuvor bereits gastronomische Erfahrung hatte sammeln können. Nach Ausbildung in der Automobilbranche und einigen Jahren in unterschiedlichen Branchen arbeitete er als Kellner und Geschäftsführer im Europäischen Hof in Ratingen und betrieb einige Jahre gemeinsam mit einem Freund das „Bogart´s“ zunächst in der Heiligenhauser Gohrstraße und dann in Velbert.

Die Wurzeln der „Aulen Schmet“ liegen im Jahr 1873. Heinrich Strenger stellte hier Riegel und Vorhängeschlösser her, einem damals wachsenden Produktionszweig. 1890 wurden in unmittelbare Nähe neue Betriebsräume errichtet, wodurch der alte Schmiederaum nicht mehr benötigt wurde. Er diente im Laufe der Jahre zwei Schreinereien und einem Elektrobetrieb als Herberge, wurde zeitweise als Lager genutzt, bis Kaminbauer „Bums“ 1982 sein Kaminstudio – heute würde man wohl eher Showroom sagen – eröffnete. Die Jahre als Kneipe waren geprägt von Musikabenden mit Jazz und Folk. „Der ehemalige Heiligenhauser Kulturamtsleiter Reinhard Schneider hat diese Art von Veranstaltungen vorangetrieben“, erinnert sich Passenheim. „Das ist heute so kaum noch möglich.“ Als eine Art Überbleibsel aus dieser Zeit kann man die einmal im Jahr stattfindende Veranstaltung „HeiligenRock“ sehen, bei der zeitgleich in mehreren Gaststätten Musiker auftreten. Die verrauchten Zeiten in der „Aulen Schmet“ vermissen die Passenheims allerdings nicht. „Unsere rauchenden Gäste gehen vor die Türe. Damals habe ich selbst auch noch dem Tabak gefrönt und trotzdem hat mich die dichte Rauchwand, die mir an manchen Tagen die Tränen in die Augen getrieben haben, oft gestört.“ Dass Nichtraucherschutz das Kneipensterben verursache, sieht Passenheim, der gemeinsam mit Werner Meuersmorp den Arbeitskreis Gastronomie im Stadtmarketing leitet, als vorgeschoben an. „Die Probleme der Branche wären auch ohne Rauchverbote gekommen“, meint er. Kneipen dienten nicht mehr als wichtigster Ort des Austauschs oder Treffpunkt. Dennoch hofft er, in den nächsten Jahren einen Nachfolger zu finden, der die „Aule Schmet“ im ursprünglichen Sinne weiter führt.