Ratingen: "Auch der Chor muss sparen"

Ratingen: "Auch der Chor muss sparen"

RP-Gespräch mit Toralf Hildebrandt, Kantor des Knabenchors Hösel. Vor dem heutigen Termin im Rathaus bei Bürgermeister Harald Birkenkamp äußert er sich zu den Finanzen und zur Rolle des Chores in der Stadt.

Seit Tagen geht es in der öffentlichen Diskussion um die Höhe des städtischen Zuschusses für den Knabenchor Hösel. Wie berichtet, konnten sich CDU und BU mit dem Antrag auf 30 000 Euro nicht durchsetzen. So stehen jetzt zunächst einmal 10 000 Euro für den Chor im städtischen Etat 2010. Vor dem heutigen Gespräch mit Bürgermeister Harald Birkenkamp skizzierte Kantor Toralf Hildebrandt das Finanzkonstrukt und das Innenleben des Chores. Die RP fasst die wichtigsten Aussagen zusammen.

Kann der Chor ohne städtischen Zuschuss überleben?

Aus Sicht von Hildebrandt steht die Kommune in der Pflicht, dem Knabenchor als Aushängeschild der Stadt zu helfen. Besondere Projekte würden zwar auch vom Land gefördert, doch in erster Linie gehe es um die tagtägliche Arbeit in Ratingen. Der Chor erfülle zudem eine soziale Funktion. "Wir arbeiten mit den Jugendlichen zusammen, die dann bei Auftritten zeigen, was sie können", so Hildebrandt, "unsere Arbeit hat also Strahlkraft nach außen." Um Planungssicherheit zu haben, benötige der Chor einen Grundstock von 50 000 Euro. Ob es zu einem städtischen Zuschuss in dieser Höhe kommen werde, sei fraglich. Wenn nicht, müsse man die Lücke mit Hilfe von Sponsoren und Spenden schließen. Kurzum: Ohne Zuschuss würde der Chor gravierende Probleme bekommen.

Wie sieht der Etat aus?

Im vergangenen Jahr hatte der Etat des Chores ein Volumen von 310 000 Euro. Es gibt Geld vom Land und von der Stadt. Sponsoren und Mäzene helfen. Eltern zahlen für ihre Kinder einen monatlichen Beitrag von 75 Euro. Und sie steuern für Konzertreisen einen Eigenanteil zwischen 500 und 600 Euro bei. Nicht alle Eltern können sich die monatlichen Beiträge leisten. Es gibt dann zum Beispiel Unterstützung durch den Förderverein.

Warum sind die Konzertreisen wie die geplante Tour nach Rom (rund 35 000 Euro) so teuer?

Hildebrandt versichert, dass bei einer 35-köpfigen Gruppe Kosten in dieser Höhe nicht zu vermeiden seien: reisen, essen, Kulturprogramm – all dies habe seinen Preis. Und: "Wer auf diesem hohen Niveau singt, der braucht dreimal pro Tag eine ordentliche Verpflegung und eine ordentliche Unterkunft." Bei den Kosten müsse man dem Management schon vertrauen. "Klar ist, dass auch der Knabenchor Hösel sparen muss", so Hildebrandt.

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Erfüllt der Chor seine Botschafter-Funktion für die Stadt?

Die Stadt habe dem Chor Auflagen gemacht, die man genau erfülle. So heißt es bei bundesweiten und internationalen Auftritten auf Plakaten und bei Ankündigungen: Knabenchor Hösel aus Ratingen. Hildebrandt: "Wir sehen uns als Botschafter der Stadt und nicht nur als Chor des Stadtteils Hösel."

Kommen alle Chorknaben aus Hösel?

Nein, nicht alle. 80 Prozent stammen aus dem Stadtteil, der Rest kommt aus Heiligenhaus und Ost.

Ist der geplante Konvent von der Zuschuss-Diskussion betroffen?

Nein. Geplant ist, die Lücken zwischen Schule und Chorarbeit generell zu schließen. In einem Konvent (Versammlung, Zusammenkunft) können die 30 Chormitglieder gemeinsam an den Hausaufgaben sitzen und sich gegenseitig unterstützen. Die evangelische Kirche würde Räume zur Verfügung stellen. Umbaukosten: rund 170 000 Euro. Der Knabenchor hat um Unterstützung seitens der Stadt gebeten. "Alle Chöre dieser Qualität, ob in Leipzig oder Dresden, haben diese Form der Ganztagsbetreuung", betont Hildebrandt.

(RP)