Apotheker fertigen auch nach Rezeptur

Kreis Mettmann : Apotheker fertigen auch nach Rezeptur

In Nordrhein-Westfalen werden insgesamt rund 1,6 Millionen Medikamente selbst hergestellt.

(RP) Jeder kennt industriell hergestellte und verpackte Fertigarzneimittel – ganz wichtig für die Arzneimittelversorgung sind aber auch von den öffentlichen Apotheken selbst hergestellte Arzneimittel, so genannte Rezeptur-Arzneimittel. Von den Apotheken in Nordrhein wurden davon 2018 rund 900.000 Rezepturen, wie zum Beispiel Kapseln oder Salben, für Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zubereitet.

In Nordrhein-Westfalen waren es insgesamt rund 1,6 Millionen – im bundesweiten Vergleich wurden somit die meisten Rezeptur-Arzneimittel von den öffentlichen Apotheken in NRW hergestellt. Das ergab eine Auswertung von Verordnungen durch das Deutsche Arzneiprüfungsinstitut (DAPI). „Rezeptur-Arzneimittel sind in vielen Fällen lebenswichtig, zum Beispiel wenn ein Kind ein Medikament in einer Dosierung braucht, für die es kein industriell hergestelltes Arzneimittel gibt“, erklärt Inge Funke, Pressesprecherin der Apotheker in Mettmann, Ratingen und Velbert.

Insgesamt liegt die Zahl der Rezeptur-Arzneimittel allerdings noch höher, denn Rezepturen für Privatversicherte oder auf direkte Nachfrage des Patienten hergestellte Rezepturen sind in diesen DAPI-Daten noch nicht erfasst. Apothekerin Inge Funke: „Für den einzelnen Patienten individuell hergestellte Rezepturen schließen Versorgungslücken. Sie sind eine notwendige Ergänzung zu industriell hergestellten Arzneimitteln. Das wird auch in Zukunft so bleiben. Darauf können und sollen unsere Patienten, insbesondere Kinder, nicht verzichten.“

Mit der Herstellung von Rezepturen leisten wohnortnahe Apotheken einen unverzichtbaren Beitrag zur Arzneimittelversorgung. Funke: „Zeitnah patientenindividuell Salben, Kapseln, Zäpfchen oder Säfte anfertigen – das geht nur in der Apotheke vor Ort. Der Prozess ist für die Apotheke sehr aufwändig, zeitintensiv und bedarf hoher Sachkenntnis. Leider wird der hohe Zeitaufwand nicht angemessen honoriert“, erklärt die Apothekerin. „Die Rezepturherstellung gehört für die wohnortnahen Apotheken zu den so genannten „Gemeinwohlpflichten“, zu denen insbesondere auch der Nacht- und Notdienst gehört.“