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Angeklagter soll Autos auf Bestellung gestohlen haben

Ratingen/Heiligenhaus : Angeklagter soll Autos auf Bestellung gestohlen haben

Er ist noch jung und eigentlich war es zuvor ganz gut gelaufen. Im fernen Litauen wartet die Verlobte auf den 21-Jährigen, dem hier nun eine Haftstrafe drohen könnte. Laut Anklage soll er maßgeblich an Autodiebstählen beteiligt gewesen sein, dafür muss er sich derzeit vor dem Düsseldorfer Landgericht verantworten.

Weil sein Anwalt den jungen Mann erst kurz vor dem Prozessbeginn erstmals im Beisein eines Dolmetschers getroffen hatte, war an diesem Verhandlungstag nur die Anklageschrift verlesen worden. Nun gab es zumindest ein paar Angaben zum Werdegang des Angeklagten – über den genauen Ablauf der Diebstähle wird man möglicherweise demnächst noch Genaueres erfahren können.

Hörte man den Worten des Angeklagten zu, der ausgiebig aus seinem Leben erzählte, so scheint er eigentlich auf einem guten Weg gewesen zu sein. Erfolgreicher Schulabschluss – auch wenn er von sich selbst sagt, dafür nicht besonders talentiert gewesen zu sein. Mehr Talent hatte er offenbar dort, wo es um Autoreparaturen ging. Dort scheint seine Arbeitsleistung gefragt gewesen zu sein, an Jobs habe es jedenfalls nie gemangelt. Zwischenzeitlich will er auch in England und Norwegen gearbeitet haben.

Wie aus der vielversprechenden Perspektive als Automechaniker eine kriminelle Karriere als Autoschieber wurde? Dazu hat der Angeklagte noch nichts gesagt. Fest steht nur: Auch sein Bruder ist in diesem Gewerbe tätig, er wurde bereits verurteilt. Klar ist auch, dass die Schaltzentrale der Bande in Litauen ansässig war. Von dort gab´s genaue Anweisungen – man könnte auch sagen, der Wunschzettel mit begehrten Automodellen wurde rübergereicht. Warum es nun ausgerechnet – wie in Ratingen und Heiligenhaus – der Golf Plus sein musste? Auch das wird der Angeklagte möglicherweise noch erzählen. Bekannt ist, dass es Vorbestellungen gegeben haben soll. Eingereist waren die Diebe zudem mit Ersatzschlössern, die vor dem Wegfahren noch eingebaut werden mussten. Außerdem soll es passende Software für die VW-Modelle gegeben haben, um die Wegfahrsperre zu knacken.

Hatte bis dahin alles nach einem durchdachten Plan ausgesehen, so änderte sich das dort, wo das Diebesgut zum Weitertransport abgestellt wurde. Dafür hatte man Standorte vereinbart, die von Transportern angefahren werden sollten. „Dort sind die Fahrzeuge dann aufgefallen“, war von der Staatsanwältin zu hören. Man brauchte wohl nur noch auf den Abtransport zu warten, um die Autodiebe dingfest zu machen. Auch Handytelefonate sollen überwacht worden sein. Der Angeklagte selbst soll anfangs zu denjenigen gehört haben, die in Vilnius die Aufträge entgegengenommen haben. Später soll er nach Deutschland gekommen und an den Diebstählen beteiligt gewesen sein. Mit internationalem Haftbefehl gesucht, wurde er nach der Festnahme in Litauen nach Deutschland ausgeliefert. Ihm droht hier eine Mindestfreiheitsstrafe von einem Jahr.