Altes Handwerk in der Sonderausstellung im Museum Abtsküche

Neue Sonderausstellung im Museum Abtsküche : Handwerk stammt aus alten Zeiten

Im Museum Abtsküche sind bis 4. November unter anderem Gerätschaften von früher zu besichtigen.

Es fing wohl alles mit Feuersteinen an, mit denen die ersten Ur-Handwerker Speerspitzen nach ihrem Willen formten. Seitdem gehört das Handwerk fest zur Menschheitsgeschichte. Wo man die Urformen des Handwerks im Kreis besichtigen kann, nämlich im Neandertalmuseum, das dürfte klar sein. Die Handwerksgeschichte der letzten Jahrhunderte dagegen beleuchtet jetzt die Heimatkundliche Sammlung in einer Sonderausstellung, die damit gekonnt die Dauerausstellung im Haus ergänzt.

Denn ohnehin spielt das (alte) Handwerk hier im Museum eine große Rolle – seit dem letzten Wochenende wirft Museumskustos Reinhard Schneider aber noch einmal Schlaglichter auf ausgewählte Aspekte des Handwerks und des dort benötigten Werkzeugs. „Wer will fleißige Handwerker seh’n - Altes Handwerk & Handwerksgerät“ heißt die Ausstellung, die seit Sonntag zu bestaunen ist. Mit zahlreichen Exponaten, Bildern, zeitgeschichtlichen Dokumenten und erklärenden Texten gibt die Ausstellung wieder Einblicke in berufliche Lebenswelten von Maurern, Fischern, Steinmetzen, Näherinnen, Gießern, Schmieden, Metzgern, Korbmachern.

Korbflechten gehörte in früheren Zeiten zu den ganz alltäglichen Handwerksarbeiten. Foto: Blazy, Achim (abz)

Mit viel Liebe zum Detail hat der Kustos die Ausstellung zusammengetragen und es fällt nicht schwer, sich in diese alten Handwerkkünste hineinzudenken, die es in ihren alten Formen zum Teil gar nicht mehr gibt. Noch bis zum 4. November kann man hier in Erinnerungen schwelgen oder auch die Evolution von handwerklichen Berufen verfolgen, die es, zum Teil so schon lange nicht mehr gibt, die aber dank solcher Ausstellungen nicht in Vergessenheit geraten. Die Spielzeugmacherei anhand des sogenannten „Reifendrehens“ zum Beispiel. Einer Handwerkskunst, die im Dörfchen Seiffen im Erzgebirge erfunden wurde – und nicht nur deswegen der Stadt bis heute den Beinamen „Spielzeugdorf“ gibt: So dürften kleine Spielzeugtiere, die sogenannten Reifentiere, früher viele Kinderherzen zum Schlagen gebracht haben.

Eine Baumscheibe wird dabei so von den Seiten gedrechselt, dass ein Reifen entsteht und anschließend kunstvoll geschnitzt: Schneidet man den Reifen mit Hammer und Messer nun auf – beinahe wie Kuchenscheiben aus einem Gugelhupf - entsteht eine verhältnismäßig hohe Zahl an Holztieren. In der Region um Heiligenhaus hat dagegen das Handwerk des Gießers die industrielle Lage geprägt. Wenige Kilometer weiter, in Düsseldorf-Gerresheim, hatte beispielsweise die Glasmacherei eine lange Tradition bis die Glashütten hier erst vor wenigen Jahren ihre Pforten schloss.

Berufswelten aller Art stehen immer wieder im Blickpunkt an der Abtsküche. So ist die aktuelle Ausstellung eine Art Gegenstück zur vorangegangenen Schau, die sich um die Entwicklung des Bürowesens gekümmert hatte. Im Mittelalter war die Schreibarbeit hauptsächlich in den Händen der Kirche, bevor sich die Kaufleute in ihren Kontoren die Schrift und das Rechnen zu Eigen gemacht haben. Ein kleines Highlight: der Ausstellung war übrigens die erste Telefonanlage der Heiligenhauser Stadtverwaltung aus den 20er/30er Jahren. Der Eintritt ins Museum ist frei.