Als aus dem Straßendorf Heiligenhaus eine Stadt wurde

Heiligenhaus : Als das Straßendorf zur Stadt wurde

1947 bekam die Landgemeinde die Stadtrechte verliehen. Ein Bevölkerungszuwachs sorgte fürs Stadtgefühl.

Als Schicksalsgemeinschaft, die seit jeher die Meisterung schwieriger wirtschaftlicher Verhältnisse übte, wolle man nicht ohne Hoffnung in die Zukunft schauen, schrieben 1947 Bürgermeister Carl Fuhr und Stadtdirektor August Overhamm in der Festschrift anlässlich der Verleihung der Stadtrechte und des 50-jährigen Jubiläums der Gründung.

Ein selbst verursachter Krieg lag hinter den Deutschen und auch das niederbergische Heiligenhaus sieht dem Aufbruch entgegen – nun als Stadt. Und mit den Stadtrechten kam auch ein stetiger Bevölkerungsanstieg: Lebten 1947 noch 11.947 Einwohner in der Stadt, so waren es zehn Jahre später, 1957, bereits 18.293 Einwohner. Noch einmal zehn Jahre später waren bereits 27.585 Menschen in Heiligenhaus wohnhaft.

In dieser Zeit erhielten in Heiligenhaus 3699 Vertriebene einen Vertriebenenausweis. „Die tatsächliche Anzahl der hier wohnenden Vertriebenen liegt bedeutend höher, da viele Personen in auswärtigen Gemeinden bereits einen Ausweis beantragt hatten“, schreibt 1971 Forscherin Marta Elisabeth Hackstein (Gattin des Realschullehrers Hackstein) in ihrer soziokulturellen und siedlungsgeografischen Studie über ihre Heimat. Sie spricht letztendlich von 8079 Vertriebenen und 2202 Flüchtlingen.

Die größten Aufgaben in dieser Zeit: Der Wohnungs- und Straßenbau, denn das einstige Straßendorf vergrößerte sich. Und damit auch die Aufgaben, die die kleine Verwaltung bisher nicht kannte, wie die Autoren, der in diesem Jahr in den Ruhestand gegangene Stadtarchivar Hartmut Nolte und Christoph Schotten 2002 in ihrer Fotosammlung „Heiligenhaus in den 1950er Jahren“ feststellten. Es brauchte Schulen, Arbeitsmöglichkeiten und weitere Infrastruktur: „Aus der verträumten Straßensiedlung entwickelte sich eine moderne Stadt, die sich anschickte, in die Breite zu wachsen“, so Nolte und Schotten.

Dank finanzieller Unterstützung in Form von zinslosen Mitteln bis 3000 DM pro Familie gewährte das Land NRW Darlehen für private Bauherren. So wurde schon ab 1945 mit dem Bau von Siedlerstellen in Hetterscheidt, Werkerwald und an der Gohrstraße begonnen. Anschließend entstand ab 1950 der Stadtteil Wassermangel (mit vielen Selbstversorger-Gärten) in dem annähernd 1750 Menschen eine (zum Teil neue) Heimat fanden. Ab 1954 begann auch die Bebauung des Nonnenbruch in mehreren Bauabschnitten, hier konnten auf 31 Hektar 1400 Wohnungen entstehen.

Es folgten nach und nach die Stadtteile Isenbügel, wie Unter- und Oberilp, und die Erweiterung des Wohngebiets Hetterscheidt. 1958 dann die Sanierung der Innenstadt. „Jahrelange Planungen waren mit dem Ziel vorausgegangen, einen repräsentativen Stadtkern zu schaffen. Der Kirchplatz sollte dabei zur Geschäftsmeile werden, dafür wurden etwa 20 Fachwerkhäuser und Geschäftsgebäude aus der dörflichen Periode abgerissen. Zu der Zeit wuchs auch die Schlossindustrie in der Stadt. Etwa 45 Prozent aller Beschäftigten fanden in der Schloss- und Beschlagsindustrie ihr Auskommen.

1973 kauft die Stadt den Gutshof Abtsküche und 1976 wurde das Wohngebiet Heide beschlossen. 1975/76 bleibt Heiligenhau im Rahmen der kommunalen Neugliederung selbstständig und wird dem neuen Kreis Mettmann angegliedert, außerdem erhält es 341 Hektar mit 332 Einwohnern hinzu. 1970 erfolgte übrigens die Linienbestimmung für eine Autobahn-Anbindung. Als „DüBoDo“, ist die Anbindung Düsseldorf-Bochum-Dortmund schon damals höchst umstritten ...

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