Homberg: Akrobatische Übungen hoch zu Ross

Homberg : Akrobatische Übungen hoch zu Ross

Seit einem Jahr gibt es das Voltigierzentrum Ratingen. 33 Mitglieder turnen regelmäßig auf dem Rücken der Pferde.

Sobald Meike vom Bey das Kommando gibt, setzt sich Chili in Bewegung. Runde um Runde läuft er im Kreis, mal links herum, mal rechts herum. Mal im Schritt, mal im flotten Galopp - immer so, wie es Meike vom Bey gerade will. Wenn Chili aufgewärmt ist, kann es losgehen: Vorsichtig nähern sich Wiebke und Barbara dem im Kreis laufenden Pferd, immer direkt hinter der Longe, damit sie auch nicht überrannt werden. Damit sich Chili nicht erschreckt, klopfen sie ihm auf den Hals und reden mit ihm. Dann ist es soweit. Wiebke schwingt sich auf das laufende Pferd, elegant zieht sie dabei das rechte Bein in die Höhe.

Man merkt gleich, hier geht es nicht um das "normale" Reiten. Hier sind Turner und Akrobaten am Werk. Voltigieren nennt sich der Sport, bei dem es nicht darum geht, dass ein Pferd möglichst hohe Hindernisse überspringt, Kunststücke vorführt oder schneller rennt als der Rest. Beim Voltigieren geht es um Körperbeherrschung und das Zusammensein mit dem Pferd.

Darin sind sich die acht jungen Frauen einig, die an diesem späten Nachmittag auf den Scheifenhof in Homberg gekommen sind. Nach der Gymnastik auf festem Untergrund schwingen sie sich nacheinander auf den Rücken des neunjährigen Wallachs, um dort zu hocken, zu stehen, Spagat zu machen oder sich seitlich in die verschiedensten Positionen zu begeben. "Dabei gibt es einige Pflichtübungen, später kann man auch selbst Figuren erfinden", erklärt Meike vom Bey. Vor rund einem Jahr hat sie den Verein "Voltigierzentrum Ratingen" gegründet. Mit dem Voltigiersport ist sie schon viele Jahre verbunden, erst selbst als aktive Sportlerin, später als Trainerin mit A-Lizenz und Wettkampfrichterin. Inzwischen hat der neue Verein 33 Mitglieder, die meisten kennen sich schon viele Jahre. Und sie haben viel vor: "Wir sind noch im Aufbau", sagt Meike vom Bey. Reitplatz und Halle müssen noch fertiggestellt werden, und auch Chili ist noch Voltigierpferd in der Ausbildung.

Er und die beiden Shetlandponys Mogli und Burito müssen in den kommenden Monaten lernen, was ein richtiges Voltigierpferd ausmacht. Besonders wichtig ist natürlich der Charakter. "Sie müssen ruhig und ausgeglichen sein und dürfen auch nicht kitzelig sein", erklärt die Trainerin. Gerade bei Kindern ist dies besonders wichtig. Schließlich sitzen die Turnerinnen nicht ruhig auf ihrem Rücken, sondern turnen herum. Eine Schaumstoffdecke schützt den Rücken, trotzdem müssen sich die Vierbeiner erst an den Sport gewöhnen und lernen, es zu akzeptieren, wenn plötzlich jemand auf ihnen herumturnt.

Wenn die Pferde dann fertig ausgebildet sind, will der Verein natürlich auch an Turnieren teilnehmen. Der Spaß soll dennoch im Vordergrund stehen. So wie bei Andrea Voß, die seit einem Jahr voltigiert und die vor allem die Gruppe richtig gut findet. Dem kann auch Barbara nur zustimmen, die seit 1992 voltigiert. "Reiten fand ich immer langweilig."

Dabei ist Voltigieren etwas für alle Generationen. Beim Schnupperkurs machten sogar schon dreijährige mit. Das älteste aktive Mitglied ist 57 Jahre alt. Und wer sich nicht bei Kälte oder im strömenden Regen auf das Pferd schwingen will, braucht sich keine Sorgen machen. Zwei Holzpferde stehen für Trockenübungen auf dem Hof bereit.

(RP)
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