Ratingen Ärger mit der Lebensmittel-Kennzeichnung

Ratingen · Jahresbericht des Amtes für Verbraucherschutz: Uneinsichtige Händler, weniger Hygienemängel.

 Im Labor des Amts für Verbraucherschutz des Kreises Mettmann nimmt Chemielaborantin Susanne Dlugosch mit einer Eppendorf-Pipette eine Probe aus einem Babysaft.

Im Labor des Amts für Verbraucherschutz des Kreises Mettmann nimmt Chemielaborantin Susanne Dlugosch mit einer Eppendorf-Pipette eine Probe aus einem Babysaft.

Foto: janicki

Lebensmittelkontrolleure leben mitunter gefährlich. Das konnte man gestern beim Amt für Verbraucherschutz der Kreisverwaltung Mettmann erfahren. Dort wurde der Jahresbericht vorgestellt. Zwei Kontrolleure, die auf einen Hinweis des Ordnungsamtes hin einen kleinen Lebensmittelhändler mit Obst und Gemüse aufsuchten, erlebten eine böse Überraschung. Sie fanden dort überlagertes, matschiges und schimmeliges Obst und Gemüse, umschwirrt von Gärfliegen.

Unter Schimpfen und Murren sagte der Händler zu, die Ware auszusortieren. Was er auch tat, indem er sie von den Außenanlagen ins Ladeninnere packte, wo es nun vor sich hinmüffelte. Nach heftigen verbalen Auseinandersetzungen folgten Tritte gegen die Kisten, wobei es nicht bleiben sollte. So dass die Lebensmittelüberwachung mit Polizeischutz anrücken musste, um für Ordnung zu sorgen.

Zum Glück sind solche Ausfälle eine Seltenheit im Kreis Mettmann, sagte Kreisdezernent Nils Hanheide, aber es gibt sie. Neben dem Gemüsehändler machte ein uneinsichtiger Eiscafé-Besitzer den Kreisbeamten zu schaffen. Er sah trotz mehrerer Besuche, Zahlungsaufforderungen und Fristen keinen Grund, seinen Sahneautomaten regelmäßig zu säubern. Das Ergebnis war ein Bakterienaufkommen, das den Grenzwert um mehr als das Doppelte überschritt. Statt ihn zu säubern, legte der Mann es still. Das sind die Ausreißer. Zur Beruhigung: Nirgendwo im Kreis fand sich verstecktes Pferdefleisch in der Lasagne oder anderen Angeboten, betonte Hanheide. Und auch sonst gab es keine bedrohlichen Vorfälle.

Von 1712 Lebensmittelproben wurden 204 beanstandet: unter anderem eine ausländische Würzmischung, die bestrahlt, aber nicht entsprechend gekennzeichnet war. Ein Diätprodukt wies einen zu hohen Zinkgehalt (80 mg statt 25 mg) auf. In eingelegtem Sauerbraten war zuviel Wasser und in einer Charge Hackfleisch ein zu hoher Anteil an Sehnen und Bändern. Probleme macht offenbar immer wieder die falsche oder fehlende Kennzeichnung der Lebensmittel: Den Löwenanteil an Beanstandungen — knapp neun Prozent — machen falsche Kennzeichnungen aus. Das ist besonders für Allergiker schlecht, die bestimmte Inhaltsstoffe nicht vertragen können. Erfreulich: Die Verstöße gegen Hygienebestimmungen sind deutlich zurückgegangen, von 850 im Jahr 2010 auf unter 450 im vergangenen Jahr. Zurückzuführen sei das hauptsächlich auf das sensiblere Verbraucherbewusstsein, auf Diskussionen über die Hygieneampel und auf die Gebührenpflicht bei der Nachkontrolle, sagte Dorothea Stangier vom Amt für Verbraucherschutz.

(RP/rl)
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