Heiligenhaus: Ab Samstag im Museum: Alles über Winterzeiten

Heiligenhaus : Ab Samstag im Museum: Alles über Winterzeiten

An der Abtsküche ist die letzte Sonderausstellung des Jahres zu sehen. Kustos Reinhard Schneider wappnet sich für einen Ansturm. Mitunter fahren Besucherscharen bereits per Reisebus vor.

An stattliche Besucherzahlen ist Museums-Kustos Reinhard Schneider gewohnt. Bis zu 15 000 Besucher jährlich standen schon zu Buche. Dass vor der alten Volksschule an der Abtsküche inzwischen auch Reisebusse aus Düsseldorf vorfahren, freut ihn zusätzlich. Von Samstag an dürfte es wieder voll werden im Museum. "Winter, Weihnacht, neues Jahr" heißt die neue Sonderausstellung, zu sehen ab 13 Uhr.

Diesmal will Schneider zur Eröffnung auf mehr oder minder weitschweifige Reden und Einführungen verzichten. "Die Objekte sprechen für sich", meint er. Der Museumskustos verrät, dass es aber die eine oder andere Köstlichkeit aus seiner eigenen Produktion geben wird. Wie immer bei der Vielzahl der Sonderausstellungen im Jahreskreis oder zu besonderen historischen Festtagen. Dann kennt die Fantasie des Gourmets und Hobbykochs kaum Grenzen.

Zwei weitere Besonderheiten des Tages sind verkehrstechnischer Art. Die Abtskücher Straße ist bis in die späten Mittagsstunden vom Nordring an gesperrt. Die Brücke über die Abtskücher Straße wird in die Verankerungen gehängt. Und in unmittelbarer Nachbarschaft zum Museum wird eine über 100 Jahre alte Kastanie gefällt. Auch diese Arbeiten werden ihre Zeit dauern.

Drinnen im Museum spannt die letzte Schau des Jahres 2012 einen Bogen von St. Martin über Advent, Weihnachten, Neujahr bis zum Dreikönigstag. Innerhalb eines Zeitraumes von fünfzig Jahren, vom Ende des 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts ist die Ausstellung eine informative Entdeckungsreise in eine noch junge Vergangenheit. In Exponaten, Texten und Fotos zeigt sich der ungeheure Wandel der Alltagskultur in Festtagsriten, Kunst, Postkarten, Mode und den Geschenken in der relativ kurzen Zeitspanne eines halben Jahrhunderts. Zwischen damals und heute liegen Welten. Nicht zuletzt durch den zeitgeschichtlichen Hintergrund mit zwei Weltkriegen und deren jeweils historischen Ereignissen der Vor- und Nachkriegszeit. Mal poetisch in Kunst, Lyrik und Texten, mal prosaisch in schlichten Exponaten, und mal bedrückend in Briefen aus dem Felde wird die kalte Jahreszeit der schicksalhaftesten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts lebendig. Erfüllt sich Schneiders Hoffnung innerhalb dieser Schau den 15 000 Jahresbesucher begrüßen zu können? "Die Chancen stehen gut", meint Assistent Willi Temme. Denn das Museum inmitten eines alten historischen Ensembles ist längst zum beliebtestes Kommunikationszentrum der Stadt geworden. Hier gehen die zahlreich gefragten Veranstaltungen von Historie und Kultur eine gelungene Symbiose ein. Hier rasten Wanderer und hier lernen Schüler Heimatkunde. Das idyllische Abtsküchertal zog schon immer Familien aus der gesamten Region während jeder Jahreszeit an. So ist bereits in einer Zeitung von 1900 zu lesen: "Der Abtskücherteich in Heiligenhaus ist die größte Eislaufbahn in Niederberg, hier tummeln sich täglich Hunderte von Schlittschuhläufern."

Vergrößert mit Bild liegt der Artikel in einer Vitrine, umgeben von altmodisch anmutenden Rodeln, Gleit- und Schlittschuhen, Bommelmützen, Lederschuhen und anderen dürftigen Kleidungsstücken. Historische Fotos mit hohen Schneebergen wirken heute utopisch. Die Vitrinen sind übersichtlich thematisch bestückt und mit präzisen Erläuterungen versehen. Alles erscheint wie aus einer anderen Welt: die einfachen Laternen zu St. Martin, die fremdartig anmutenden mundartlichen Lieder.

Wie schlicht war der Advents- und Weihnachtsschmuck, wie bescheiden die Krippenfiguren und das oft selbst gefertigte Spielzeug. Fotos mit Soldaten beider Weltkriege unter Tannenschmuck, Feldpostbriefen wie "Wir sind Heilig Abend auf dem Weg nach Rußland" oder Original-Post aus den Gefangenenlagern machen betroffen. Da wirkt die Reise der Heiligen Drei Könige zur Krippe tröstlich. Sie erinnert daran, dass es neben schlechten Zeiten Aufbruch gab und geben wird.

(ror)
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