Ratingen: 5000 Menschen setzen ein Zeichen

Ratingen : 5000 Menschen setzen ein Zeichen

Es ist die bisher größte Kundgebung Ratingens: Die Bürger zeigen, dass sie Fremdenfeindlichkeit nicht akzeptieren.

Dieser Abend wird in die Stadtgeschichte eingehen: Rund 5000 Bürger (so die Schätzung der Polizei) haben gestern beim Zug vom Marktplatz zur Moschee ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz gesetzt. Die Bürger, die sich am Treffpunkt versammelt hatten, zeigten sich angesichts der riesigen Menschenmenge tief bewegt und beeindruckt. Der Bürgermeister und seine Stellvertreter, der Superintendent des Kirchenkreises Düsseldorf-Mettmann, Politiker, Vertreter von Vereinen und Verbänden, Schüler und kleine Kinder - sie alle waren gekommen, um zu zeigen, dass sie die Gewalttaten von Paris nicht akzeptieren können und wollen.

Pfarrer Matthias Leithe (Evangelische Kirche) und Pastor Daniel Schilling (Katholische Kirche) begrüßten die Teilnehmer der Kundgebung von einem Fenster im ersten Stock des Bürgerhauses aus. Dass die Resonanz auf den Aufruf der Kirchen, der islamischen und der alevitischen Gemeinde sowie des jüdischen Kulturvereins derart positiv sei, tue einfach gut, befand Leithe, der Veranstaltungsleiter. Er hatte den Anstoß zu dieser Kundgebung gegeben. Leithe betonte in einer öffentlichen Erklärung unter anderem: "Die terroristischen Anschläge in Frankreich haben offensichtlich einen fanatischen Hintergrund. Wir trauern um die Opfer. Unser Mitgefühl ist bei ihren Familien. Wir können nicht akzeptieren, dass Menschen wegen der Freiheit der Meinungsäußerung und der Religionsausübung getötet werden."

Nach Leithes Vortrag setzten sich die Menschen langsam in Bewegung, Um 19.30 Uhr läuteten alle Kirchenglocken auf Ratinger Stadtgebiet.

Die Bürger zogen zunächst über die Lintorfer Straße. Foto: Blazy, Achim (abz)

Für Bedri Turgut war es eine Selbstverständlichkeit, bei dem Marsch dabei zu sein: "Ich bin 1973 aus der Türkei gekommen, habe immer in Ratingen gelebt. Ich möchte ein Zeichen setzen, dass diese Stadt für ein friedliches Miteinander aller Menschen steht", so der 53-Jährige. Er habe viele Kontakte in die Region: "Und glauben Sie mir, ich höre aus vielen Städten, dass es dort nicht so gut läuft wie in Ratingen. Meine Frau, unsere vier Kinder und ich fühlen uns hier zuhause."

Dua Ohlhoff: "Wunderschön, dass so viele Menschen gekommen sind.". Foto: Blazy, Achim (abz)
Bedri Turgut: "Ratingen ist unser Zuhause.". Foto: Blazy, Achim (abz)

Einige Meter weiter stand Kurt-Peter Gertz, früher 16 Jahre lang Pfarrer in Homberg: "Ich war an jenem schrecklichen Tag in Paris, habe diese furchtbare Atmosphäre hautnah mitbekommen. Und deshalb möchte ich heute hier dabei sein, um ein kleines Zeichen gegen Intoleranz zu setzen." Er fand aber auch kritische Worte: "In allen Religionen glauben wir an eine höhere Macht, die uns lenkt. Deshalb ist es enorm wichtig, dass wir alle miteinander in einen Dialog treten." Mit zwei Freundinnen war Dua Ohlhoff auf den Marktplatz gekommen. Wie viele trug auch sie eine Kerze. Die Mexikanerin war überwältigt von dem, was sie erlebte: "Ich finde es wunderschön, dass so viele Leute gekommen sind, um zu zeigen, was sie denken. Das macht mich stolz."

(RP)
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