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22 Monate auf Bewährung für Betrug

Heiligenhauserin vor Gericht : 22 Monate auf Bewährung für Betrug auf Online-Plattformen

Die Anklage hatte drei Jahre Haft für eine 32-jährige Heiligenhauserin gefordert. Ein Gutachter attestierte der Frau jedoch eine eingeschränkte Schuldfähigkeit.

Wäre es nach der Staatsanwältin gegangen, hätte die volle Härte des Gesetzes zugeschlagen. Drei Jahre Haft hatte die Anklage für eine 32-jährige Heiligenhauserin gefordert, die sich wegen gewerbsmäßigen Betruges zu verantworten hatte.

Über zwei Jahre hinweg hatte die Frau immer wieder Waren auf Online-Plattformen verkauft, ohne sie an die Käufer zu versenden. So war ein Schaden von insgesamt 1900 Euro entstanden. Eine Damenjacke von Wellensteyn, ein Topfset von WMF: Meist waren es Markenprodukte, die für  kleines Geld den Besitzer wechselten. Zumindest auf dem Papier, denn die Angeklagte hatte die Waren nie besessen. Stattdessen hatte sie Fotos aus dem Internet heruntergeladen, um die Angebote bei Kleiderkreisel und Ebay- Kleinanzeigen einzustellen.

Mal überwiesen die glücklichen Käufer 20 Euro, ein anderes Mal waren es 70. Insgesamt hatte es 37 solcher Fälle gegeben und die derart Geprellten dürften verärgert gewesen sein. Es hatte Anzeigen gegeben, aber das größere Problem aus Sicht der Angeklagten war ein anderes: Sie war bereits 2016 wegen ähnlicher Taten zu einem Jahr und vier Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Als sogenannte Bewährungsversagerin drohte ihr nun eine Haftstrafe und die Staatsanwältin schien festentschlossen zu sein, diese auch durchzusetzen.

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Am Ende wurden es 22 Monate auf Bewährung und auf der Anklagebank sah man eine erleichterte Frau, über der dieser Prozess in den vergangenen zwei Jahren geschwebt hatte wie ein Damoklesschwert. Zweimal hatte es währenddessen einen Haftbefehl gegeben, genauso oft war die 32-Jährige von der drohenden Untersuchungshaft verschont worden. Seit neun Monaten ist sie Mutter eines kleinen Sohnes und hat einen Partner, der ebenfalls auf der Anklagebank gelandet war und nun freigesprochen wurde, weil er unwissentlich für drei der Verkäufe sein Konto zur Verfügung gestellt hatte.

Entscheidend für das milde und dennoch angemessene Urteil war hingegen etwas anderes: Ein vom Gericht hinzugezogener Gutachter hatte die verminderte Schuldfähigkeit der Angeklagten festgestellt. Seit dem 15. Lebensjahr leidet die Heiligenhauserin unter psychischen Erkrankungen, die sie bereits mehrfach in die Psychiatrie gebracht hatten. Die Ebay-Verkäufe hätten der psychischen Stabilisierung gedient und nicht der finanziellen Bereicherung. Vom Verteidiger war dazu noch zu hören, dass die aufgerufenen Preise derart weit unter dem Marktwert der Waren gelegen hätten, dass die Käufer hätten stutzig werden müssen. Käufe auf Online-Plattformen seien grundsätzlich risikobehaftet, so der Anwalt der Angeklagten.

Seine Mandantin sei mit Mann und Kind nun psychisch erheblich stabilisiert, dass hatte auch der Gutachter so gesehen. Das Urteil hat die Angeklagte sofort angenommen, die Staatsanwaltschaft behält sich hingegen noch Rechtsmittel vor.