150 Jahre Imker in Ratingen

Besonderes Refugium in Ratingen Ost: Ratinger Imker wissen alles über Bienen

Immerhin können sie auf 150 Jahre Erfahrung zurückblicken. Gefeiert haben sie ihr Jubiläum schon.

Wenn es um Bienen geht, spielen immer wieder Zahlen eine nicht unwesentliche Rolle. Auch jetzt, da der Ratinger Bienenzuchtverein sein 150 Jahre währendes Bestehen gebührend feierte – mit Würstchen und Freibier, nicht mit Honigbrötchen. Es gab Informationen, Fachsimpeleien und hin und wieder auch Scherzchen. So stellte Vorsitzender Franz Naber die Frage, ob der Verein nicht etwa überaltert sei, „also nur alte Knöppe und kaum junge Mitglieder habe“.

Daran knüpft sich die Sorge, dass es sich bei den organisierten Imkern um eine schrumpfende, wenn nicht gar aussterbende Truppe handele. Die Besorgnis erscheint übertrieben, die Mahnung aber angebracht. Obwohl in den letzten Jahren vermehrt Anträge zur Aufnahme gestellt wurden.

Naber “Wir müssen leider davon ausgehen, dass für die Bienenhaltung mehr als bei den meisten anderen Beschäftigungen, nur eine kleine Zahl von Menschen geeignet ist. Viele fangen an, hören aber nach einigen Jahren wieder auf“.

150 Jahre - ist alt für einen Verein, aber nichts gegen das Alter der Spezies Honigbienen von 50 Millionen Jahren. Und dann gibt es auch noch Zahlen, die das Leben der Bienen umschreiben: Das Leben einer Arbeitsbiene: Von der Putzfrau zur Kundschafterin.

Das Leben einer Arbeiterin in einem Bienenstaat ist nicht von allzu langer Dauer geprägt – die Sommerbiene bringt es auf etwa 35 Tage, und die Winterbiene kann bis zu neun Monate alt werden. In ihrem Leben führt sie mehrere „Berufe“ aus.

In den ersten Tagen ihres Bienenlebens übt die Arbeiterin den Beruf der „Putzfrau“ aus. Sie ist ausschließlich im Bienenstock tätig und für die Reinigung der Wabenzellen für den Nachwuchs zuständig.

Ab dem 3. Tag ist sie für die Versorgung der älteren Maden verantwortlich und füttert diese mit Honig und Blütenpollen. Bis zum zwölften Tag haben sich die Giftdrüsen der Arbeiterin gebildet, und die Biene ist nun gegen Gefahren besonders gewappnet.

  • Rechtsstreit wegen Ratinger Abi-Party : „Einige Juristen suchen gezielt nach Inhalten für Abmahnungen“

Ab dem 13. Lebenstag beginnen die Wachsdrüsen am Hinterleib der Arbeiterin aktiv zu werden und scheiden Wachsplättchen ab. Diese dienen der Arbeiterin als Bausteine, denn nun übt sie den Beruf einer „Bauarbeiterin“ aus. Mit den Wachsplättchen repariert sie beschädigte Zellen, verdeckelt die Honig- und Larvenzellen und baut neue Waben. Doch das schafft sie nicht alleine. Hierfür braucht sie die Hilfe ihrer Kolleginnen des gleichen Berufes. Sie hängen sich aneinander und bilden ein dichtes Netz von Bienenkörpern über der Baustelle – aus 100 Gramm Wachs bauen die Arbeiterinnen somit rund 8.000 Zellen.

Vom Tag 18 bis zum 21. Lebenstag tritt die kleine Arbeiterin den „Wachdienst“ an. Ihre Futtersaft- und Wachsdrüsen haben sich mittlerweile zurückgebildet, sie wacht nun vor dem Stock und kontrolliert, wer hinein darf und wer nicht.

Ab dem 22. Lebenstag ist die Biene sozusagen volljährig und kundschaftet als „Flugbiene“ oder als „Sammelbiene“ die Blumenlandschaften aus. Wenn sie eine nahrhafte Quelle gefunden hat, fliegt sie zum Bienenvolk zurück, um die Informationen weiterzugeben. Kommuniziert wird in Form einer Tanzsprache – dem Rundtanz oder dem Schwänzeltanz. Aufgrund der in den Tänzen enthaltenen Informationen finden die Sammlerinnen die Futterstelle.

Nach den intensiven Arbeitswochen hat die kleine Biene viele Haare verloren und ihre Flügel sind durch die Arbeit abgenutzt. Da sie sehr schwach geworden ist, fällt sie meist einfach zu Boden und wird von anderen Tieren – wie Spinnen oder Vögeln – gefressen.

Haltbarer als eine Arbeitsbiene ist bei den rund 40 Ratinger Imkern inzwischen die Zusammenarbeit mit Wirtschaft, Politik, Vereinen und Schulen. Das Bienenjahr ist nun beendet, die Völker sind eingewintert und auch die besonders aktiven Mitglieder des Vereins können zurückblicken.

Mit der Eröffnung einer Ausstellung im Stadtmuseum Ratingens über die vielen abwechslungsreichen Aktivitäten des Vereines sowie seiner Imkerinnen und Imker, die Imkerei und natürlich über alte und neue Erkenntnisse der Honigbienen. Diese Ausstellung, die noch bis Morgen, Sonntag, 14.Oktober, zu sehen ist, werden durch Exponate, Bilder, Videos und Texte die verschiedensten Themenbereiche anschaulich dargestellt.

Die Ehrenvorsitzende des Vereines, Doris Kull, verzichtete nicht darauf, Bürgermeister Pesch daran zu erinnern, dass er nicht vergessen möge, dass ein Bienenzuchtverein der wichtigste Verein einer Stadt sei. Ohne Bienen gäbe es weder Obst noch Gemüse.

Mehr von RP ONLINE