Heiligenhaus: 120 Jahre Dom - der Schatz liegt im Keller

Heiligenhaus: 120 Jahre Dom - der Schatz liegt im Keller

Der Förderverein hütet und zeigt Bauzeichnungen für St. Suitbertus. Sie waren ein Zufallsfund und werden gehütet wie ein rohes Ei.

Die Fans des Fördervereins wissen es schon längst - genauer gesagt: seit der traditionelle Fotokalender für 2018 erschienen ist. "120 Jahre - Unser Dom hat Geburtstag", so steht es auf dem Titelblatt. Vor dem Hintergrund von Kirchenmalereien des Künstlers Dieter Hartmann sind auf dem Frontispiz zwei Abbildungen zu sehen: Eine historische Aufriss-Zeichnung der unverkennbaren Frontansicht und ein winziges, aktuelles Foto vom Kirchturm der Pfarrkirche St. Suitbertus, wie der Dom offiziell heißt.

Mit dem Kalender hat es in diesem Jahr in mehrfacher Hinsicht seine besondere Bewandtnis. Eine davon ist darauf zurückzuführen, dass im Pfarrhaus von St. Suitbertus sorgfältig mit historischen Papieren umgegangen wird. Sie werden gehütet wie das sprichwörtliche rohe Ei. Da wäre zum Beispiel das "Liber neocommunicantium et confirmatorum parochiae Heiligenhaus" - zu Deutsch: das Verzeichnis von Erstkommunionen und Firmungen der Pfarre Heiligenhaus. Obwohl es, ebenso wie die Register zu Taufen, Eheschließungen und Sterbefällen äußerlich Patina angesetzt hat, wird es im Pfarrsekretariat streng unter Verschluss gehalten. "Nein, reinschauen dürfen Sie nicht. Egal wie alt die Einträge sind, sie fallen unter den Datenschutz", wird dem Besucher resolut beschieden. Und aufbewahrt werden die großen Kladden in sehr neuzeitlichen Stahlschränken.

Ganz anders steht es um ein anderes Kapitel der Pfarrgeschichte. "Als 2007 die Neugestaltung des Innenraums von St. Suitbertus abgeschlossen war, stießen wir im Keller auf eine Mappe", erinnert sich Hans Berresheim. Erste Reaktion der Männer im damals noch neuen Förderverein: "Oh - das ist ja doll." Und keine Spur von Geheimhaltung: Es handelte sich um Aufrisszeichnungen, statische Berechnungen des Bonner Architekten Anton Becker zum Bau der Pfarrkirche von Jahr 1895 an. Aufschrift auf einer Mappe: "Kirchbau 1896 bis 1898." Kundige können die "statische Berechnung des Widerlagers" nachvollziehen, sie trägt Datum und Unterschrift: "Bonn, 14.8.96. Der Baumeister Anton Becker". Auch gezeichnete Vorderansichten des Pfarrhauses neben dem Dom sind erhalten - und laden zum Vergleich mit der aktuellen Ansicht ein. Auch der "Lageplan katholische Kirche, Gemarkung Leubeck, Flur 6, Maßstab 1:200" gibt exakten Aufschluss über den Umfang der damaligen Bauarbeiten.

Die einzelnen Pläne und Zeichnungen sind gut erhalten - nur Weniges ist stark vergilbt und mit ziemlich neuzeitlichem Tesafilm in Form gehalten. "Bisher hat sich nur der Stadtarchivar für das ganze Material interessiert", sagt Finder Berresheim. Ins Bild gesetzt zum 120. Geburtstag des Doms sind die bauhistorischen Schätze allerdings im aktuellen Kalender. Das März-Foto zeigt Baupläne, der Juli Schnittzeichnungen des Kirchenschiffs von 1895 - und im August ist das akribisch berechnete Widerlager nebst Zeichnung zu sehen.

Weitere Pläne mit dem Material hegt der Förderverein derzeit nicht. Auch nicht mit einer Mappe, die Material zur Jakobuskapelle an der Abtsküche enthält. Hier wäre sicher ein weiterer Schatz zu heben. Aber in allernächster Zukunft dürften ohnehin sehr aktuelle Pläne hinzukommen, die dann eventuell auch zwölf Jahrzehnte verwahrt bleiben. Der Vorplatz von St. Suitbertus wird komplett neu gestaltet. Auch hierzu hat der rührige Förderverein Ideen.

(RP)