Wupperorte: Zwei Kirchen feiern 400-jähriges Bestehen

Dahlerau und Remlingrade : Kirchen feiern 400-jähriges Bestehen

Die evangelischen Gemeinden Dahlerau und Remlingrade, die ohnehin zu einer Gemeinde zusammenwachsen sollen, haben beschlossen, die Geburtstage ihrer Kirchen gemeinsam zu feiern – mit Ausstellung, Gottesdiensten und Vortrag.

400 Jahre Kirchengeschichte auf vier Pinnwänden – eine große Herausforderung für Günter Schmale und Rolf Berghaus. Die beiden haben eine kleine Ausstellung zum 400-jährigen Bestehen der Kirchen in Dahlerau und Remlingrade zusammengestellt. Die Dorfkirche in Remlingrade ist 275 Jahre alt, die Kirche Keilbeck 125 Jahre. Schmale und Berghaus wollten beide Gotteshäuser im gleichen Umfang würdigen und haben deshalb jeweils zwei Pinnwände zu den Kirchen erstellt. Da geht es um Baupläne, Spenden, Kindergärten, Renovierungen, die Orgeln, den Friedhof, die Pastoren, das Kirchspiel, den Armenstock, die Bestuhlung, um Innenansichten und um den Besuch von Ministerpräsident Johannes Rau am 21. August 1994. Presbyterin Dorit Lauterbach, Pfarrer Albrecht Keller und Hans-Otto Ottfried vom Bürgerverein schauten sich die Austellung schon mal an.

Wer in den Saal des Gemeindehauses am Siedlungsweg will, muss an der Ausstellung vorbei. „Noch zu Zeiten von Pfarrerin Maria Kluge haben wir uns überlegt, dass beide Gemeinden etwas zusammen machen sollten, um die Kirchen zu würdigen. Schließlich sind wir ja auch auf dem Weg, eine Gemeinde zu werden“, sagt Dorit Lauterbach. So erfährt der Betrachter viel Wissenswertes zur Geschichte, Gründung und Einweihung – und wie es dazu kam, dass in Dahlerau eine Gemeinde und eine Kirche entstanden. „1887 gab es die ersten Spenden der Fabrikanten an der Wupper. Insgesamt kamen 147.000 Reichsmark zusammen, von denen 70.000 für die Kirche, 12.000 für das Pfarrhaus und weitere 10.000 für Kleinigkeiten ausgegeben wurden“, berichtet Berghaus. Weitere 30.000 Reichsmark wurden für das Grundstück zur Gründung der Gemeinde ausgegeben. Kircheneinweihung und Gemeindegründung erfolgten am 27. Mai 1894.

Die Dorfkirche in Remlingrade ist ein Kleinod – und mit 275 Jahre auch richtig alt. Die Gemeinde ist noch viel älter. Foto: Hogekamp, Lena (hoge)

In Remlingrade wurde die lutherische Kirche 1744 gebaut, Aufzeichnungen über die Gemeinde gibt es schon aus dem 11. Jahrhundert. Die Dorfkirche gilt als lutherische Mutterkirche. Das Gotteshaus entstand auf den Grundmauern der damals etwa 800 bis 900 Jahre alten romanischen Kapelle. Das alles erfährt der Betrachter der Ausstellung, für die Schmale und Berghaus vor allem auf die bereits vorhandenen Chroniken und Festschriften zurückgriffen zu 250 Jahre Kirche Remlingrade und 100 Jahre evangelische Kirchengemeinde Dahlerau. „Außerdem gibt es an der Wupper einen offenen Heimatkundekreis, der vom Bürgerverein unterstützt wird. So haben wir auch Zugriff auf einige private Archive“, berichtet Schmale, der die alten Aufzeichnungen digitalisiert hat.

Die evangelische Kirche in Keilbeck am Siedlungsweg besteht seit 125 Jahren. Foto: Joachim Rüttgen

Zu finden sind in der Ausstellung auch skurrile Geschichten und Anekdoten – so die unglaubliche, aber wahre Geschichte von Küster Erich Lippert aus Dahlerau. In den 1930er Jahren kam jedes Wochenende Fritz Kleuser, der bei den Schwestern im Johannesstift in Hückeswagen wohnte, zu Fuß (!) an die Wupper, um um 19 Uhr mit Lippert alle drei Glocken zu läuten. Er schlief anschließend bei den Lipperts auf dem Sofa, um am nächsten Morgen zurück nach Hückeswagen zu wandern.

Zurzeit zählt die Gemeinde in Remlingrade 486 Gemeindeglieder, die in Dahlerau etwa 1100 – Tendenz fallend, wie Dorit Lauterbach immer wieder mit Bedauern feststellt.

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