Radevormwald: Wuff! Unsere Klasse hat einen Hund

Radevormwald : Wuff! Unsere Klasse hat einen Hund

Die Zweitklässler der GGS Wupper lieben Lotta. Sie ist eine Gordon-Setter-Dame und gehört der Rektorin. Alle haben Lotta ins Herz geschlossen. Und ihre Anwesenheit ist kein Gag, sondern hat eine wohltuende Wirkung.

"Ich habe schon das zweite Mal ,Lotta'-Dienst", sagt Emma. "Ich muss zum Beispiel die Kreide wegräumen, damit sie die nicht frisst." Die Siebenjährige besucht die Klasse 2d der GGS Wupper und die hat etwas, was andere Schulklassen nicht haben: einen eigenen Hund. Das ist Lotta, eine Gordon-Setter-Dame. Und die Kinder, das sieht man sofort, lieben Lotta heiß und innig.

Für ihren geliebten Schulhund haben die Kinder sogar ein eigenes Album zum Geburtstag geschrieben und gezeichnet. Foto: Stefan Gilsbach

Ein Hund in der Schule? Was soll das denn? könnte ein Außenstehender fragen. Spricht man mit den Kindern und den Lehrern, dann stellt sich diese Frage bald nicht mehr. Lotta tröstet, Lotta lässt sich geduldig knuddeln, Lotta sorgt für Spaß und Lotta zeigt ihr Missfallen, wenn die Kinder in der Klasse zu laut sind. "Dann steht sie auf, öffnet die Türe und verlässt den Raum", sagt Rektorin Tanja Heynen. Die Kinder sind betroffen und werden sofort leiser. Und dann kommt der Hund wieder ins Klassenzimmer. Lotta, die Erzieherin.

"Ich glaube, es macht ihr richtig Freude, es ist einfach ihr Ding", sagt Tanja Heynen und lacht. Sie ist die Halterin von Lotta. Nachmittags, erzählt sie, sei die Hundedame deutlich lebhafter als vormittags, wenn sie ihren "Dienst" in der Schule versieht. Dann wirkt sie "tiefenentspannt", wie Heynen sagt, lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, ja, tatsächlich wie jemand, der konzentriert seinen Job macht.

"Ursprünglich war Lotta nur unser Familienhund", berichtet Tanja Heynen. Doch ein Hundetrainer habe ihr gesagt, Lotta habe mit ihrem ruhigen Wesen das Zeug, eine Ausbildung zum Therapiehund zu machen. "Natürlich wurden im Vorfeld die Eltern, die Stadt als Träger und das Schulamt informiert", sagt Heynen. Seit drei Jahren nun ist die fünfjährige Hundedame mehrfach in der Woche zu Gast bei "ihren" Schülern. Und die machen abwechselnd "Lotta"-Dienst. Sie schauen, dass der Hund genug zu fressen und zu trinken hat. In der Pause haben sie ein Auge darauf, dass er Kindern nicht die Butterbrote wegschnappt. Denn bei solchen Leckerbissen verliert Lotta manchmal ihre professionelle Distanz. "Wir gehen mit ihr auch manchmal draußen spazieren", sagt Emma. "Aber da ist immer ein Erwachsener dabei."

Lotta ist nicht nur ein Hund für fröhliche Stunden. "Es kommt vor, dass Kinder, wenn sie mal Kummer haben, Lotta davon erzählen", sagt die Rektorin. Und wenn Schüler Hemmungen beim Vorlesen vor der Klasse haben, dann lesen sie zuerst Lotta vor. Vor ihr schämen sie sich nicht. Sogar bei Klassenfahrten ist Lotta mit dabei. Fotos im Besprechungszimmer der Rektorin zeigen die Setter-Dame, wie sie mit Schülern am Strand die Sonne genießt. "Für die Unterkunft gibt es dann eine Ausnahmegenehmigung", sagt Tanja Heynen.

So ist Lotta aus dem Alltag der Zweitklässler kaum noch wegzudenken. "Wenn ich mit ihr über den Schulhof gehe, dann heißt es zuerst ,Hallo Lotta!' und dann erst "Hallo, Frau Heynen", sagt die Pädagogin und lacht.

Die Kinder haben in einer Hausaufgabe aufgeschrieben, was der Schulhund so macht und was ihnen an ihm so gefällt. Emma-Luise hat geschrieben: "Lotta schläft und macht lustige Sachen." Jonas gefallen besonders die langen Schlappohren. Und Ben weiß: "Wenn ein Kind traurig ist, kann es sich bei Lotta ankuscheln." Und alle sind sich einig: "Lotta ist der beste Schulhund der Welt!"

(s-g)
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