Radevormwald: Wortwitz mit Biss bei der Comedy-Show

Radevormwald : Wortwitz mit Biss bei der Comedy-Show

Vor mehr als 400 Zuschauern begeisterten die Comedians Lisa Feller, Markus Krebs, Herr Heuser vom Finanzamt und Marius Jung im Bürgerhaus mit derbem Wortwitz und satirischen Seitenhieben gegen Staat, Steuersystem und Putin.

Des Veranstalters liebstes Schild trägt die Aufschrift "Ausverkauft!". Die Rader Comedy-Show bescherte dem Kulturkreis als Mitveranstalter dieses Glücksgefühl, denn mehr als 400 Comedy-Freunde kamen ins Bürgerhaus, um sich von echten Größen der deutschen Comedy-Szene nach allen Regeln der Kunst unterhalten zu lassen. Moderator Marius Jung brauchte nicht viel machen, um die ersten Lacher zu provozieren.

Jung ist der Sohn eines schwarzen US-Amerikaners und einer weißen Deutschen - was für den Kabarettisten eine Steilvorlage ist. "Herzlich willkommen zur ersten Veranstaltung der neugegründeten Negida - Neger gegen die Idiotisierung des Abendlandes." Etwas irritiertes Gelächter im Publikum. Jung legte noch einen drauf: "Bei der Begrüßung ist's immer schwer. Manchmal sage ich: Mein Name ist Marius Jung, ich bin schwarz, und das ist gut so. Aber dann denke ich immer: Ne, das kann ich nicht machen, sonst heißt's nur wieder, der Neger hat beim Wowereit geklaut." Befreites Lachen im Publikum. Jung spielte hemmungslos mit den Klischees, sein Stilmittel war das politisch Unkorrekte. "Da kommen doch immer wieder Leute nach dem Auftritt zu mir und sagen: Ich weiß ja jetzt gar nicht, ob ich lachen darf." Jung hatte eine einfache Antwort: "Natürlich! Im Zweifel immer für den Gag!"

Und davon gab es reichlich. Etwa von Herrn Heuser vom Finanzamt. Das satirische Schwergewicht teilte gnadenlos gegen das deutsche Steuersystem aus. "Das ist so unfassbar kreativ. Wenn der Meteorologe den Besuch des Films 'Vom Winde verweht' als Fortbildung absetzen will, dann zeigt das auch, dass in den Menschen ebenfalls die Kreativität geweckt wird. Deswegen plädiere ich dafür, es bei der Unesco als Weltkulturerbe gesichert wird." Heuser machte auch einen Schwenk ins Politische, dann wurde er sehr bissig: "Wenn Putin ein lupenreiner Demokrat ist, dann war der Ayatollah Khomenei der Begründer der Frauenbewegung." Und: "Putin, Marie LePen und Kim Jong Un - das ist doch ein Swingerclub in der forensischen Psychiatrie." Heuser begeisterte mit Wortwitz und Bissigkeit.

Weiter ging es mit der großartigen Lisa Feller, die ihr Programm ganz auf ihre Rolle als alleinerziehende Mutter von zwei Söhnen ausgelegt hatte. "Ich weiß ja nicht, aber Mütter mit einer Tochter - die kann man nicht wirklich ernst nehmen, oder? Ich stehe morgens auf, da haben die Jungs mal eben das Bad geflutet, weil sie Piraten spielen wollten. Dann wird noch der Garten umgepflügt - und dann gibt es Frühstück", erzählte die Münsteranerin. Feller war bestens gelaunt, lachte sich selbst über ihre Witze kaputt und freute sich wie ein Schulmädchen, wenn ihre Pointen zündeten. Herrlich auch, wie sie den Aufklärungsunterricht mit ihrem Sohn nacherzählte.

Als Vierter im Bunde kam das Duisburger Original Markus Krebs. "Ja, geil", lautete seine knappe Begrüßung. So einsilbig blieb der witzige Proll von nebenan nicht lange. Herkunftsgerecht mit Sonnenbrille, Kopfsocke und mehreren Kettchen angetan, haute Krebs einen Kalauer nach dem anderen ins Publikum, das es gerne auch mal etwas derber liebte. "Ich lese jetzt aus meinem Roman 'Zuhause ist, wo der Schlüssel passt' das Kapitel: 'Scheiße ist, wenn der Furz wat wiegt'."

Bei der Comedy-Nacht stimmte alles: Die gut gelaunten Comedians, das begeisterungsfähige Publikum und die wunderbar dosierte Mischung aus Anspruch und Derbheit.

(wow)
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