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Wie reagieren die SPD-Mitglieder in Radevormwald und im Kreis auf die Äußerungen von Kevin Kühnert?

Kühnert-Thesen : Sind Kühnerts Thesen „jugendliche Spinnerei“ oder „frischer Wind“?

Die Reaktionen fallen unterschiedlich aus: SPD-Fraktionschef Dietmar Stark lehnt die Vorstoße ab, bei den Jusos im Kreis kommen die Thesen besser an.

 So lebhaft wurde schon lange kein Vorstoß aus den Reihen der Sozialdemokraten mehr diskutiert – Kevin Kühnert, Bundesvorsitzender der Jungsozialisten (Jusos), hat mit seinen Thesen zum Kapitalismus harsche Ablehnung, aber auch Zustimmung gefunden. Kühnert hatte die Exzesse des modernen Kapitalismus kritisiert und angeregt, große Unternehmen „auf demokratischem Wege“ zu kollektivieren. Als Beispiel nannte er den deutschen Auto-Konzern BMW. Auch schlug er vor, den Immobilienbesitz von Einzelpersonen zu beschränken.

Doch wie kommen diese Ideen bei der Basis im Bergischen an? Dietmar Stark, Fraktionsvorsitzender der Sozialdemokraten im Radevormwalder Rat, findet zu Kühnerts Thesen unmissverständliche Worte: „Ich habe diese Äußerungen als jugendliche Spinnerei empfunden“, sagt Stark. „Das ist eine völlig abwegige Diskussion.“ Für Stark kommt das Interview in der Wochenzeitung „Zeit“, in der Kevin Kühnert die umstrittenen Sätze geäußert hatte, zudem zur Unzeit – unmittelbar vor der Europawahl. „Wir Sozialdemokraten haben leider ein Talent dafür, uns vor Wahlen selber zu zerlegen und die Wähler zu verunsichern“, ärgert sich der Fraktionschef, der gerade von einem Aufenthalt in Spanien zurückgekehrt ist. Sogar dort sei er mehrfach im kritischen Ton darauf angesprochen worden.“

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Und wie sehen es die Jusos, Kühnerts eigene Organisation? Kim Schröter, die Vorsitzender der Jusos im Oberbergischen Kreis, verteidigt die Interview-Äußerungen. „Da gibt es keinen Grund, Schnappatmung zu kriegen. Man muss nicht alles unterschreiben, was er gesagt hat“, meint sie. „Aber wir Jusos freuen uns über frischen Wind.“ Der Juso-Bundesvorsitzende habe mit seinen Worten zweifellos provozieren wollen, um eine offenere Debatte über die deutsche Gesellschaft zu eröffnen. „Ähnlich war es auch bei der Diskussion, ob die SPD in die Große Koalition einsteigen soll“, berichtet Kim Schröter. „Damals habe ich von vielen Mitgliedern gehört: Endlich wird wieder offen  geredet.“