Ansichtssache: Wie man Ehrenamtlern die Lust am Engagement nimmt

Ansichtssache: Wie man Ehrenamtlern die Lust am Engagement nimmt

Der Konflikt um die Fahrten des Bürgerbusvereins zeigt, dass Ehrenamtler sich für ihren Einsatz oft in einer Art und Weise rechtfertigen müssen, mit der Behörden oder Unternehmen keinen Vertrag haben. Das schafft Frust bei den Bürgern.

Die Mitglieder des Bürgerbus-Vereins sind verärgert. Und das ist verständlich. Jahrelang haben sie Senioren und Kindern in Radevormwald etwas Gutes getan. Den alten Menschen wurde ein schöner Nachmittag mit Kaffee und Kuchen geboten. Kinder des Familienzentrums wurden nach Schloss Burg gefahren und erlebten dort einen spannenden Tag in der Welt der alten Ritter.

Doch nun ist Schluss damit. Der Bürgerbus-Verein, so machten die Behörden vor einigen Monaten deutlich, soll sich auf seine Aufgaben beschränken und schön brav auf den vorgeschriebenen Linien fahren. Es gehe nicht an, so hieß es, dass Ehrenamtler Taxi-Unternehmen Konkurrenz machten.

Natürlich muss es Regelungen geben, die einem groben Missbrauch der Fahrzeuge vorbeugen. Doch in der Praxis fühlen sich - nicht nur in Radevormwald - die Fahrer von Bürgerbussen oft geschurigelt.

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Es ist schon ein Widerspruch: Viele regionale Verkehrsunternehmen machen sich heutzutage gern einen schlanken Fuß und streichen jene Linien, die nicht so stark genutzt werden, dass die Fahrgäste fast aus der Tür quellen. Gleichzeitig werden engagierte Bürger, die den Verlust dieser Linien auffangen wollen, mit den Argusaugen der Bürokratie überwacht, damit sie nicht vom Pfad der Tugend abweichen. Es wäre schön, wenn Entscheidungsträger die gleiche Sorgfalt bei der Erhaltung der Infrastruktur an den Tag legen würden, zu der ja auch der Öffentliche Personennahverkehr gehört. Die Kölner Regierungspräsidentin Gisela Walsken hat bei einer Feierstunde der Handwerkskammer Aachen vor zwei Jahren über die Ehrenamtler gesagt: "Ihr Engagement ist unverzichtbar für die Entwicklung unserer Gesellschaft. Wir sollten daher Ihren persönlichen und freiwilligen Einsatz keinesfalls als selbstverständlich hinnehmen." Ja, das sind goldene Worte. Allerdings sollte die Behörde, die Frau Walskens leitet, auch danach handeln.

Nicht nur mit Fahrten nach Schloss Burg kann man Kindern eine Freude machen. Die Grundschule Bergerhof-Wupper hat in dieser Woche eindrucksvoll gezeigt, wie man den eigenen Anspruch umsetzt, die Schulkinder zu aktiven und bewegungsfreudigen Menschen zu erziehen. Dank der Zusammenarbeit mit örtlichen Vereinen - und der Unterstützung des eigenen Fördervereins - konnte die Schule ein erstaunliches breites Angebot von Aktivitäten unter freiem Himmel organisieren, vom Kanufahren auf dem Beyenburger Stausee über eine Fahrt mit den Draisinen bis hin zum Inline-Skaten. Da haben viele Kinder und ihre Eltern bestimmt Lust bekommen, sich in den kommenden Pfingstferien ebenso aktiv zu betätigen.

In diesem Sinne: Schöne Feier- und Ferientage!

(s-g)
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