Wermelskirchen: Ein Konzert fürs Auge in der Evangelischen Stadtkirche

„The Bulgarian Voices“ in der Stadtkirche: Ein Konzert fürs Auge

„The Bulgarian Voices“ begeistern die Besucher mit Präzision, stimmlicher Strahlkraft und farbenfrohen Trachtenkleidern.

Es ist ja nun eher selten, dass ein Chor nicht nur mit dem Klang seiner Stimmen zu begeistern weiß, sondern dazu noch ein echter Augenschmaus ist. Aber als am Donnerstagabend der 18-köpfige Frauenchor „The Bulgarian Voices - Angelite“ die Evangelische Stadtkirche am Markt, bereits singend, durch den Seiteneingang betrat, musste man wegen der farbenfrohen Kleidung der Sängerinnen gleich mehrfach hinsehen, um wirklich alle Details erfassen zu können. Letztlich war das aber nur – fraglos wunderschönes – Beiwerk. Denn beim etwa zweistündigen Konzert standen ganz klar die tollen Stimmen der Sängerinnen im Vordergrund. Und die berührten in ihrer Klarheit und Reinheit die Seele des Zuhörers ganz tief im Inneren. Das war besonders eindrucksvoll zu hören, wenn etwa in den Liedern immer wieder einstimmige Passagen gesungen wurden, bei denen die vielen Stimmen, trotz der nicht immer einfachen Akustik eines großen Kirchenraums, wie eine einzige große Stimme klangen.

Im Programm hatten die bulgarischen Sängerinnen, die seit kurzer Zeit von der renommierten Musikerin und Forscherin Katya Barulova dirigiert werden, eine Sammlung aus weitgehend zeitgenössischen Weihnachtsliedern, Adaptionen anonymer Werke aus dem 14. und 16. Jahrhundert, neuen und alten bulgarischen Volksliedern sowie traditionellen Folklore-Arrangements aus ihrer Heimat. In seinem über 30-jährigem Bestehen hat der Chor „The Bulgarian Voices“ sich bereits ein reichhaltiges Repertoire erarbeiten können, das vor allem von der besonderen, slawischen und für hiesige Ohren nicht nur wegen der Sprache etwas fremd und exotisch klingenden Musik lebte. Unerwartete Sprünge im Rhythmus, ungewöhnliche harmonische Spielereien und repetitive, und dadurch beinahe schon meditative Melodiebögen machten den Konzertabend in der Stadtkirche für die rund 50 Besucher zu einem ganz besonderen Erlebnis.

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Und nicht zuletzt waren es die hervorragend ausgebildeten Stimmen der 18 Frauen, die den Gesang zu einem so wunderbaren Genuss werden ließen. Da war zum einen die bereits erwähnte Reinheit. Gleichzeitig überzeugte das Stimmvolumen, das von hohen Soprantönen bis zu tiefen Alt- oder stellenweise sogar Tenortonlagen reichte. Auch Obertongesang beherrschten die Sängerinnen, wie er etwa in den choralartigen und meditativen Liedern „Ne Otvrati Liza Tvoego“ und „Gospodi Pomiloi“ zu hören war. Das war fraglos eine hierzulande selten gehörte Technik – aber eine, deren Faszination man sich in den rund fünf Minuten der Lieder kaum zu entziehen in der Lage war.

Nicht zuletzt sorgten „The Bulgarian Voices“ mit ihrer enormen Vielfalt im Ausdruck für den stets langanhaltenden und dankbaren Applaus des Publikums. Denn wo sie im einen Moment einschmeichelnd und beinahe sanft wie milde lächelnde Engel sangen, schnitten sie im nächsten mit einer beinahe schon diamantenen Schärfe und ebensolcher Präzision durch die Luft im Kirchenraum. Eine solche stimmliche Strahlkraft war wirklich selten zu erleben. Und dass dann auch noch das Auge an den wunderschönen bulgarischen Trachten so viel zu sehen bekam, machte dieses so eigentümliche wie außergewöhnliche Chorkonzert endgültig zu einer ganz besonderen Veranstaltung.

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