Radevormwald: Wer gibt der Sekundarschule den Namen?

Radevormwald: Wer gibt der Sekundarschule den Namen?

Die Vertreter der Schule haben sich für die junge Nobelpreisträgerin Malala Yousafzai entschieden. Viele Fraktionen finden das gut. Bedenken gibt es bei der CDU. Und es existiert eine Liste mit weiteren Namensvorschlägen.

Wem der Name Elly Heuss-Knapp etwas sagt, der ist vermutlich nicht mehr ganz jung. Sie war die Ehefrau des ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss, dessen Amtszeit von 1949 bis 1959 dauerte. Die ehemalige "First Lady" ist als Namensgeber für die Sekundarschule in Rade im Gespräch - einer von mehreren Vorschlägen, die der Politik nun vorliegen.

Für die Schüler, Lehrer und Eltern ist die Sache dagegen schon klar. Sie möchten ihre Schule nach der Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai benennen, einer jungen Frau aus Pakistan, die sich für Kinderrechte einsetzt. Das ist das Ergebnis eines gemeinsamen Workshops.

Das letzte Wort ist aber noch nicht gesprochen. In der vergangenen Woche hat Bürgermeister Johannes Mans einen Brief an die Fraktionsvorsitzenden geschickt, in dem weitere Vorschläge unterbreitet werden. "Wir hatten Sie angeschrieben und darüber informiert, dass wir für die Namensgebung der Sekundarschule noch entsprechende Vorschläge wünschen", heißt es in dem Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt. Mehrere Ideen seien eingegangen. Neben der Gattin von Theodor Heuss werden auch Marion Gräfin Dönhoff, Oskar Schindler und Johann Heinrich Jung-Stilling als Namensgeber vorgeschlagen. Ebenfalls genannt werden die Namen "Uelfe-Schule" und "Schule auf der Höhe".

Die SPD hatte sich als erste Fraktion dafür ausgesprochen, das Votum der Schule zu unterstützen. Auch andere politische Kräfte im Rat halten das Ergebnis des Workshops für eine gute Idee. "Für uns ist es ganz eindeutig, dass der Wille der Schüler und Lehrer zählt", sagt Elisabeth Pech-Büttner, Sprecherin von Bündnis 90/Grüne. Rolf Ebbinghaus von der Alternativen Liste (AL) räumt ein, dass "das Meinungsbild bei uns zunächst geteilt" gewesen sei. Der Name, so befürchtete man, könne sich als zu wenig einprägsam herausstellen. "Inzwischen unterstützen wir aber die Namensgebung durch die Schule." Schade sei allerdings, dass der Name der Geschwister Scholl damit aus der Schullandschaft verschwinde.

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Armin Barg, Sprecher der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG), verweist auf die Tatsache, dass die Politik beim Verfahren dem Willen der Schüler, Eltern und Lehrer Priorität gegeben habe. "Wir haben über die Entscheidung durchaus diskutiert", sagt Barg. "Aber so ist das in einer Demokratie, wir dürfen diesen Willen nun nicht mit Füßen treten." Und für junge Menschen sei Malala Yousafzai ein geeignetes Vorbild.

Auch Thomas Lorenz von der Radevormwalder Unabhängigen Alternative (RUA) sieht die Politik in der Pflicht: "Wir würden uns ja selber untreu werden, wenn wir den Vertretern der Schule jetzt sagen: April, April!"

Eine der größeren Fraktionen sieht allerdings noch Beratungsbedarf: die der Christdemokraten. Laut BM-Informationen gibt es bei vielen Mitgliedern Unbehagen gegen den Namenswunsch der Schule. Der Fraktionsvorsitzende Dietmar Busch erklärte gestern dazu: "Heute Abend wird über dieses Thema in der Fraktionssitzung gesprochen." Auf die Frage, ob es Vorbehalte von CDU-Ratsmitgliedern gebe, meinte Busch diplomatisch: "Wenn es keine Vorbehalte gäbe, müsste nicht darüber diskutiert werden."

Das richte sich aber keinesfalls gegen die Person der pakistanischen Friedensnobelpreisträgerin, stellt Busch klar.

(s-g)
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