Radevormwald/Bergisch-Gladbach: Wenn die Bürokratie das Wandern vergällt

Radevormwald/Bergisch-Gladbach : Wenn die Bürokratie das Wandern vergällt

Im Rheinisch-Bergischen Kreis sind Wanderfreunde erbost über neue Regelungen für Ausflüge in Naturschutzgebieten. Radevormwald und anderen Kommunen in Oberberg sollen davon verschont bleiben.

Wer in diesen Tagen die Internetseite der "Wanderfreunde Bergisches Land" anklickt, der sieht nur eine dürre Notiz, dass die Webseite wegen der neuen Datenschutz-Grundverordnung geändert werden muss. Dabei haben die Mitglieder dieses Vereins mit Sitz in Bergisch Gladbach zurzeit noch ganz andere Sorgen. Die Wanderfreunde sind verärgert, dass der Rheinisch-Bergische Kreis dem Wandern in Naturschutzgebieten nun bürokratisch enge Regeln anlegen möchte. Im Oberbergischen Kreis sollen die Veranstalter von Wandertouren dagegen von diesen Regeln nicht betroffen sein.

Hans Weber ist Vorsitzender der Wanderfreunde Bergisches Land, einer Gruppe, der wiederum zum Sauerländischen Gebirgsverein gehört. Seine Mitstreiter und er organisieren Wanderungen in den Kreisen Rhein-Berg wie auch Oberberg. Im Ersteren müssten sie, wenn die geplanten Regelungen tatsächlich umgesetzt werden, künftig detaillierte Genehmigungen beantragen, wenn bei einem Ausflug, der ein Naturschutzgebiet berührt, mehr als 20 Menschen dabei sind. Bei mehr als 40 Personen soll die Tour gleich ganz verboten werden. Der Grund für diese strikten Regelungen ist laut Weber die Sorge, ein Massentourismus könne die Naturschutzgebiete verschandeln. Das Problem sei allerdings, dass Regelungen, die hauptsächlich kommerzielle Anbieter kontrollieren sollen, nun vor allem die ehrenamtlichen Wandervereine treffen (und nicht nur sie: Auch Sportvereine oder Förster, die Schulklassen durch den Wald führen, müssten sich daran halten. Die Formulare seien so umständlich, dass die "alten Recken" im Verein gedroht hätten: "Das machen wir nicht mit!" Zudem müssten die Altgedienten künftig auch Zertifikate vorweisen. Ein Exodus von Wanderfreunden, die teilweise seit Jahrzehnten mit dabei sind, drohe dem Verein. Das habe man der Kreisverwaltung auch klar gemacht, so Weber.

Iris Trespe, Sprecherin des Oberbergischen Kreises, stellte gestern auf BM-Nachfrage klar: "Diese Regelungen gibt es bei uns im Kreisgebiet nicht." Ulrich Kühn, engagierter Wanderfreund aus Radevormwald, ist froh darüber: "Hier bei uns herrscht noch heile Welt." Er rechnet auch nicht damit, dass heimische Vereine sich demnächst ebenso mit bürokratischen Monstern herumschlagen müssen.

Was nicht heißt, dass Kühn und andere Wanderer aus Rade und Umgebung machen können, was sie wollen. "Ich muss als geprüfter Wanderführer regelmäßig Weiterbildungen nachweisen", sagt er.

Auf die Verantwortlichen beim Rheinisch-Bergischen Kreis hat die verheerende Resonanz auf die Pläne - von Wanderfreunden wie auch von der breiteren Öffentlichkeit - offensichtlich Eindruck gemacht. Hans Weber berichtet, dass die Behörden derzeit noch darauf verzichten, die neuen Regelungen beinhart durchzudrücken. "Wir haben darauf hingewiesen, dass wir auch für die Pflege und Markierung der Wanderwege viel tun", sagt er. "Wenn die Vereine kaputt gehen, muss das der Kreis bald selber machen, und das kostet Geld." Ende Juni soll es noch einmal Gespräche mit der Kreisverwaltung geben.

Doch was, wenn die Regelungen doch durchgesetzt werden? Droht dann ein Exodus von Wandergruppen in die noch bürokratiefreien Landschaften um Radevormwald und andere oberbergische Kommunen? "Das ist denkbar", sagt Ulrich Kühn.

(s-g)
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