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Was sich Radfahrer und Fußgänger für Radevormwald wünschen

Bürgerbeteiligung in Radevormwald : Was sich Radfahrer und Fußgänger wünschen

Für das neue Fuß- und Radverkehrskonzept fand die erste Bürgerbeteiligung statt. Es ging um Probleme auf den Straßen in der Innenstadt.

Welche Wege nutzen die Radevormwalder intuitiv, wenn sie zu Fuß oder mit dem Rad in der Stadt unterwegs sind? Verwenden sie die vorhandene Verkehrsinsel als Querungshilfe? Sind die Gehwege breit genug oder fehlen gar auf wichtigen Verkehrsführungen Ampeln, Schilder oder Radwege? Wie sieht es mit der Barrierefreiheit in der Stadt auf der Höhe aus? Diesen Fragen stellten sich sowohl am Montag als auch am Dienstag Bürger bei den ersten beiden Planungsworkshops zum Fuß- und Radverkehrskonzept, das neu erstellt werden soll.

Montag drehte sich alles um den Radverkehr, während am Dienstag die Fußgänger im Mittelpunkt standen. Bevor sich die Bürger selbst an den Thementischen zu den Oberthemen Barrierefreiheit und Aufenthaltsqualität, Querungen sowie Verkehrssicherheit und Schulwegplanung austauschen konnten, starteten die von der Stadt beauftragten Planer der Planersocietät mit einem Impulsvortrag, in dem sie Ausgangslage und Zielsetzung erläuterten, dazu gehörte auch eine erste fachmännische Einschätzung aus ihrer Sicht auf die Stadt.

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Bereits im Vorfeld zu den Workshops hatten sich die drei Planer Niklas Rischbieter, Lara Wohland und Johannes Schaub einen Eindruck der Infrastruktur vor Ort verschafft und aus fachmännischer Perspektive Stärken und Schwächen der Verkehre markiert. Positiv etwa fiel den Planern die hohe Aufenthaltsqualität des Marktplatzes auf. Auch die vielen Tempo-30-Zonen in der Stadt seien ein guter Indikator für einen bewussten Blick auf Fußgänger und Radfahrer, ebenso wie die roten Tafeln in der Innenstadt und die Radschilder mit Metazahlen zu Entfernungen.

Wo Radevormwald allerdings nach Meinung der Planer dringlich nachbessern sollte: „Es gibt sehr viele Oberflächenschäden, teilweise sind die Gehwege in manchen Straßen sehr schmal oder die Sichtachse wird von parkenden Autos versperrt“, zählte Niklas Rischbieter auf. Auch die vielerorts fehlende Barrierefreiheit bemängelte der Fachmann. Wenige Bordsteine seien abgesenkt, so dass sowohl der Radverkehr als auch Fußgänger mit Kinderwagen oder auch Fahrer von Rollstuhl und Rollator nur mühsam die Straßen überqueren können.

Recht ordentlich dafür sei der vergleichsweise hohe Fußverkehrsanteil im Oberbergischen Kreis, der statistisch mit 19 Prozent angegeben ist. Übersetzt bedeutet das, dass 19 Prozent aller zurückgelegten Wege in der Stadt zu Fuß erledigt werden, wobei Zweidrittel aller Wege unter zwei Kilometer betragen, berichtete Rischbieter. „Es ist zwar gut, aber durchaus ausbaufähig“, lautete das Urteil des Fachmanns.

An den Thementischen wurde dann eifrig überlegt, diskutiert und auf einem großen Stadtplan Wege nachgezeichnet, die laut der Bürgerschaft deutliche Verbesserungspotenziale haben. Ihre Beobachtungen aus dem Alltag sowie ihre Vorschläge teilten sie dabei den Planern mit. Dabei stellte sich heraus, dass sich die aufgezählten Mängel von Radfahrern und Fußgängern nicht allzu sehr unterscheiden. Obgleich der unterschiedlichen Fortbewegungsmethoden, kristallisierten sich an einigen Stellen ähnliche Problemzonen heraus, an denen sich sowohl der Fuß- als auch der Radverkehr eine Verbesserung wünschen, wie etwa auf der Kaiserstraße. Den Radfahrern fehlt es hier in Richtung Wasserturmstraße an einer ordentlichen Beschilderung. Die Radwege seien auf dieser Strecke unübersichtlich, und auch die Markierung sei schlecht.

Die Fußgänger wiederum bemängeln, dass auf der Kaiserstraße in der Innenstadt zu viele Radfahrer den Gehweg mitnutzen, was zu gefährlichen Situationen führe. Sie wünschen sich eine Verlagerung der Radler auf die Fahrbahn, was wiederum die Radfahrer aber aufgrund der zu schnell fahrenden Autos für gefährlich erachten.

Die Radfahrer wünschen sich ihrerseits deutlich mehr Radabstellanlagen nicht nur rund um den Busbahnhof, sondern auch in der Innenstadt, um das Rad etwa beim Einkaufen sicher abstellen zu können. Den Fußgängern hingegen fehlt es an vielen Stellen an Sitzgelegenheiten, an Zebrastreifen vor den Schulen und entsprechenden Absenkungen der Mittelinseln, damit auch Rollatoren-, Rollstuhlfahrer oder auch Eltern mit ihrem Kinderwagen ohne Mühe die Straßen überqueren können. Auch die Grün-Zeiten der Ampelanlagen bemängelten einige Workshopteilnehmer sowie das Verkehrschaos durch die Elterntaxis vor den Schulen. Interessant war auch der Wunsch vieler Teilnehmer nach einer generellen Tempo-30-Zone im gesamten Innenstadtbereich.

Der städtische Klimaschutzmanager Niklas Lajewski beurteilte den Auftakt der Bürgerbeteiligung zum Fuß- und Radverkehrskonzept als sehr gelungen und freute sich über die rege Resonanz. „Die Beteiligung war jetzt super. Das wünschen wir uns von der Stadtverwaltung, dass sich die Bürger stärker einbringen und wir gemeinsam an einer Verbesserung der Situation arbeiten“, sagte er.