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War Radevormwald auch einst Teil der Hanse?

Historischer Handel : War auch Radevormwald eine Hansestadt?

In einem Vortrag des Bergischen Geschichtsvereins ging es um die Kaufleute in der Region. Dabei vertrat Dr. Urs Diederichs die Auffassung, dass nicht nur Wipperfürth, sondern auch Radevormwald in der Hanse eine Rolle gespielt habe.

Die Hanse und den „Hanseaten“ verbindet man eigentlich mit Norddeutschland. Doch auch das Bergische war über viele Jahrhunderte Teil dieser besonderen Verbindung aus ursprünglich norddeutschen Kaufleuten, die Handel zwischen den Städten an der Nord- und Ostsee betrieben. Ausdruck davon ist beispielsweise die Stadt Wipperfürth, die den Zusatz „Hansestadt“ im Namen trägt. „Wenn man ehrlich ist, könnte sich auch Radevormwald als Hansestadt bezeichnen“, stellte Dr. Urs Diederichs, ehemaliger Leiter des Deutschen Werkzeugmuseums und des historischen Zentrums in Remscheid und ausgewiesener Hanse-Fachmann, klar. Denn spätestens seit 1426 führe hier eine der Routen der Hanse entlang, wie sich urkundlich nachweisen lässt: Von Dortmund über Breckerfeld, Radevormwald und Wermelskirchen gelangten Waren bis nach Deutz. Zugegeben, der Weg durch Radevormwald galt als Nebenstrecke zur Hauptader durch Lennep. Doch 1457, berichtete Diederichs, „ernennt Köln auch Radevormwald als der Hanse fähig und erhielt entsprechende Privilegien.“

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Die Hanse war – vereinfacht ausgedrückt – der mittelalterliche Vorgänger der EU. Innerhalb der Hanse wurde Freihandel betrieben. Lange bevor das Bergische Land offiziell in die Hanse aufgenommen wurde, erklärte der Historiker, waren bergische Kaufleute bereits in Norddeutschland tätig. Gehandelt wurde mit Produkten wie Weizen, Salz, Mehl, Biere, aber auch Wein und Stockfisch. Aus dem Bergischen wurden wohl Tuche und aus Remscheid Werkzeuge geliefert. Womit genau die Händler aus Radevormwald handelten, konnte Diederichs nur vermuten.

Insgesamt 70 bis 75 Städte bildeten die noch heute bekannten Hansestädte, wie etwa Hamburg, Lücke, Bremen und Rostock. Doch auch die lettische Hauptstadt Riga oder die estländische Hauptstadt Tallinn gehörten damals dazu. Hinzu kamen im Laufe der Jahrhunderte 100 bis 120 Städte mit „hansischen Privilegien“ wie etwa das Bergische Land.

Wann genau die Hanse begann und wann genau sie endete, stellte Diederichs fest, lasse sich nicht genau datieren. Sie entstand irgendwann Mitte des zwölften Jahrhunderts und endete nach vielen erfolgreichen Jahrhunderten des Handels, aber auch zahlreicher Kriege in der Mitte des 17. Jahrhunderts. Ihre Bedeutung aber ist bis heute noch in einigen imposanten Bauwerke der klassischen Hansestädte zu sehen.

(sebu)