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Wälder in Radevormwald brauchen dringend Regen

Forstwirtschaft in Radevormwald : Heimische Wälder brauchen dringend Regen

Nach zwei trockenen Jahren gibt es auf Radevormwalder Gebiet tote Fichtenwälder. Milde Winter haben auch ihre Folgen.

Die Sommer 2018 und 2019 waren heiß und trocken. Die Folgen von diesen Trockenjahren sind auch in den Wäldern von Radevormwald zu sehen. Förster Bernhard Priggel weiß, dass einige Fichten in den kommenden Wochen abgeholzt werden müssen. „Tote Bäume an Waldwegen sind gefährlich. Wir haben eine Verkehrssicherungspflicht. An Stellen, an denen wenig Verkehr durch Wanderer ist, können tote Bäume auch stehenbleiben“, sagt der Förster.

Die Koniferen, die keine grünen Nadeln mehr haben, sondern nur noch trockene braune Nadeln, sind nicht nur wegen des fehlenden Regens abgestorben. „Die Bäume waren durch die Hitze bereits angegriffen und vorgeschädigt. Der Borkenkäfer hat ihnen dann aber den Rest gegeben“, sagt Bernhard Priggel. Der Schädling konnte sich in den warmen Jahren stark vermehren und hat in allen Wäldern Deutschlands großen wirtschaftlichen Schaden angerichtet.

„Die Borkenkäfer haben auch dieses Jahr wieder die besten Bedingungen und werden noch mehr Schaden anrichten“, sagt der Förster. Der Schädling frisst sich unter die Rinde von Fichten und zerfrisst dabei für den Baum lebenswichtige Leitungen zur Wasser- und Nährstoffversorgung. Die Schäden sind bereits nach wenigen Monaten, nachdem ein Baum befallen wurde, zu sehen. „Die Borkenkäfer fliegen jetzt im April aus und fühlen sich ab 15 Grad richtig wohl. Die Schäden werden dann bereits im Juni sichtbar.“

Betroffen ist unter anderem der hintere Teil des Erholungswalds am Kollenberg, in dem täglich zahlreiche Spaziergänger und Jogger unterwegs sind. In naher Zukunft werden die befallenen Fichten, die circa 80 Jahre alt sind, gefällt. „Diese Maßnahme wird wahrscheinlich zwei Tage in Anspruch nehmen. In dieser Zeit müssen wir Teile des Waldes sperren“, sagt der Förster. Er denkt über die weitere Entwicklung der Fläche nach und plädiert für einen Laubwald. „Auf der Fläche wachsen bereits einige Laubbäume, die nach der Abholzung der Fichten weiter wachsen können. Vielleicht müssen wir auch einige neue Bäume pflanzen.“

Tote Fichten, die nicht abgeholzt werden, werfen nach zwei bis drei Jahren ihre Krone ab, der Stamm verrottet dann in den folgenden Jahren. Das ist nicht nur ein ökologisch wichtiger Prozess, sondern auch ein wirtschaftlicher. „Die Holzpreise sind aktuell kaputt. Das Holz, das wir abholzen, müssen wir auch wieder verkaufen. Das ist gar nicht so leicht“, sagt der Förster.

Die Laubwälder, die in Radevormwald mit 52 Prozent den größeren Teil der gesamten Forstfläche ausmachen, haben auch unter den Trockenjahren gelitten. „Das Ausmaß werden wir in diesem Monat beobachten können. Manche Bäume werden vielleicht einfach nicht mehr grün.“ Bernhard Priggel hofft, dass es in diesem Frühling und Sommer viel regnet, damit sich die Wälder erholen können. Die Oberschicht des Waldbodens ist bereits jetzt wieder staubtrocken, obwohl es im Februar viel geregnet hat. „Unter den ersten 20 Zentimetern ist der Boden noch feucht. Trotzdem ist die Waldbrandgefahr hoch.“

Die heißen Sommer und die milden Winter wirken sich aber nicht nur auf die Wälder aus, sondern auch auf ihre Bewohner. Neben dem Borkenkäfer sind auch Wildschweine zahlreich vertreten. Das liegt an einigen Faktoren. „Die große Population der Wildschweine liegt nicht nur an den milden Wintern, sondern auch an den großen Maisfeldern und den vielen Eicheln im Wald. Wildschweine setzen einen guten Ernährungsstand direkt in Vermehrung um. Außerdem sind sie sehr schlau“, sagt der Förster.