1. NRW
  2. Städte
  3. Radevormwald

Radevormwald: Versuchter Sprung von der Brücke war Folge von Alkohol und Drogen

Radevormwald : Versuchter Sprung von der Brücke war Folge von Alkohol und Drogen

Ein 24-Jähriger, der im November versucht hatte, von einer Eisenbahnbrücke in Rade zu springen, musste sich nun vor Gericht verantworten.

Eine stationäre Drogentherapie ist wahrscheinlich der letzte Ausweg aus der Abwärtsspirale eines 24-jährigen Radevormwalders. Im November wollte der junge Mann unter Alkohol- und Drogeneinfluss von einer Eisenbahnbrücke oberhalb der Hardtstraße springen. Zwei Polizeibeamte konnten den Selbstmordversuch verhindern. Durch die Gegenwehr des Mannes erlitten sie jedoch leichte Verletzungen.

Am Amtsgericht in Wipperfürth wurde der 24-Jährige nun wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte zu einer sechswöchigen Bewährungsstrafe verurteilt. Zudem muss er je 200 Euro Schmerzensgeld ohne zeitliche Frist an die beiden Beamten zahlen, die bei dem Einsatz verletzt wurden.

Vor dem Richter machte der Hartz-IV-Empfänger keinen Hehl aus seiner Drogensucht. "Ich nehme täglich Kokain", gab er zu. An dem Tag vor dem Selbstmordversuch sei er deswegen aus dem Sport-Training geflogen. "Der Trainer ist aber so etwas wie ein Vaterersatz für mich", erklärte der Angeklagte mit gesenktem Kopf. Unter dem Einfluss von Kokain, LSD und Alkohol sei es dann zu Wahrnehmungsstörungen gekommen. "Die Brücke kam mir wie ein großes Hochhaus vor", sagt der Radevormwalder. In Wirklichkeit sei die Brücke wahrscheinlich nicht hoch genug gewesen, um sich umzubringen.

  • Der Angeklagte ist bei der Justiz
    Mieter eines Mehrfamilienhauses in Radevormwald vor Gericht : Aggressiver Nachbar zu Bewährungsstrafe verurteilt
  • Die Polizei kontrollierte in Jüchen einen
    Kontrolle in Jüchen : Polizei stoppt Fahrer ohne Führerschein und unter Drogeneinfluss
  • Ein Polizist hält ein Fahrzeug mit
    Erkelenzer Land : Polizei stoppt Autofahrer unter Drogeneinfluss

"Ein Passant hatte die Polizei verständigt, die den jungen Mann dann vom Geländer der Brücke zurück auf das Gleisbett zog. Dieser wehrte sich mit Faustschlägen und Tritten, brachte einen der Beamten zu Boden, trat gegen dessen Oberkörper und würgte ihn im Schwitzkasten. Die Polizeikollegin konnte das Gerangel mit Pfefferspray beenden. Nach dem Vorfall wurde der 24-Jährige in die Suchtklinik nach Marienheide gebracht, die er jedoch schon am nächsten Tag wieder verließ.

Bewährungshelfer Jürgen Hüttebräucker berichtete von einem schweren Lebenslauf mit einem Vater aus der Hooligan-Szene und einem sehr frühen Drogenmissbrauch. "Die gesundheitlichen Schäden sind gravierend, wenn man so jung mit Drogen angefangen hat", gab er an. Sie äußerten sich bei dem Angeklagten unter anderem in epileptischen Anfällen.

Neun Vorstrafen hat der Radevormwalder bereits angehäuft, darunter Straftaten wie Körperverletzung und räuberische Erpressung. Eine mehrmonatige Jugendstrafe hat er bereits im Gefängnis verbüßt. Ein Strafverfahren wegen Kokainhandels wird in Kürze folgen.

Doch der Bewährungshelfer hatte auch etwas Positives zu berichten: Anfang Juni erhält der 24-Jährige eine Therapie in einer Fachklinik in der Nähe von Dresden. "Der Termin ist bereits bestätigt. Es ist seine Chance, die Weichen in eine andere Richtung zu stellen", sagte Hüttebräucker.

Dieser Meinung war auch der Wipperfürther Richter: "Ihr weiteres Leben scheint damit zu stehen und zu fallen, ob sie in Dresden vorstellig werden", forderte er den jungen Mann noch einmal eindringlich dazu auf, die Therapiechance zu ergreifen.

(heka)